Schadstoffe in Bauwerken: aus ÖNORM wird EN ISO

Seit drei Jahren gibt es eine nationale ÖNORM zur Erkundung von Schadstoffen in Bauwerken. Daraus wird nun eine Internationale und zugleich Europäische Norm (EN ISO). Eine Erfolgsgeschichte der heimischen Normungsarbeit.

Wien (AS prm, 12.09.2012)
Asbest in der Wand

Credit: AS prm

Österreichs Immobilienbranche boomt. Nach Angaben eines führenden Marktteilnehmers wechselten im ersten Halbjahr 2012 mehr als 43 000 Immobilien mit einem Gesamtwert von mehr als 8 Milliarden Euro den Besitzer. Der Erhaltungszustand der Bauwerke spielt bei Immobilienkäufen naturgemäß eine große Rolle. Potentielle Käufer verlangen heute neben einer intakten Bausubstanz zunehmend auch den Nachweis, dass keine Belastung durch Schadstoffe vorliegt.

Rechtssicherheit bei Schadstoffbelastung

Die Qualität der vorgelegten Gutachten erwies sich in der Vergangenheit als einigermaßen durchwachsen. Unterschiedliche Herangehensweisen und Interessenslagen erschwerten die objektive Beurteilung. Der Wunsch nach zuverlässigen Bewertungskriterien und -methoden führte schließlich 2009 zur Ausarbeitung der nationalen ÖNORM S 5730 "Erkundung von Bauwerken auf Schadstoffe und andere schädliche Faktoren". Sie wird nun europäisch und zugleich international. Die Norm regelt neben der strukturierten Vorgehensweise auch die Erfassung von Daten und Informationen für die Bewertung, hilft bei der Erstellung eines Schadstoffkatasters und bietet sowohl Auftraggebern als auch durchführenden Dienstleistern Rechtssicherheit.

Der am häufigsten festgestellte Schadstoff ist nach wie vor Asbest, wie er bis in die 1980er Jahre als Brandschutzmaterial eingesetzt wurde. Die natürliche Mineralfaser ist aber nur einer von vielen Schadstoffen, die in der Norm behandelt werden. Weitere sind u. a. Radon, Polychlorierte Biphenyle (PCB), Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Holzschutzmittel, wie Pentachlorphenol (PCP), Schimmelpilze. Darüber hinaus berücksichtigt ÖNORM S 5730 auch sekundäre Schadstoffquellen, die durch Übertritte in andere Bauteile entstehen, sowie nutzungs- und betriebsbedingte Kontaminationen. Im Anhang bietet das Regelwerk eine beispielhafte Aufzählung möglicher Schadstoffquellen für die bauwerksbezogene Schadstofferkundung sowie Musterformblätter für Probenahmeplanung und -protokollierung.

Internationaler Standard – made in Austria

Seit ihrer Veröffentlichung stieß die ÖNORM S 5730 auch in anderen Ländern auf großes Interesse. Da weder auf europäischer noch auf internationaler Ebene ein derartiges Regelwerk existierte, wurde beim zuständigen Komitee der Internationalen Normungsorganisation ISO beschlossen, diese ÖNORM als Grundlage für das internationale und zugleich europäische Pendant zu verwenden. Dieses trägt die Bezeichnung EN ISO 16000-32 "Innenraumluftverunreinigungen; Teil 32: Untersuchung von Bauwerken auf Schadstoffe und andere schädliche Faktoren – Erkundung" und befindet sich aktuell in der Begutachtungsphase.

Dipl.-Ing. Heinz Kropiunik, Geschäftsführer des auf Schadstoffmanagement spezialisierten Ziviltechnikerbüros aetas, stand der österreichischen Arbeitsgruppe vor, die die ÖNORM S 5730 entwickelte. Er leitet nun die Ausarbeitung der EN ISO. Für ihn liegen die Vorteile klar auf der Hand: "Der in der vorliegenden Norm definierte, aus Österreich stammende Standard für die Durchführung von Schadstofferkundungen hat – nicht zuletzt auf Grund seiner Kompaktheit – die Chance, zu einer fundamentalen Grundlage in diesem Bereich zu werden", so der renommierte Schadstoffexperte.

Vorbildliche Umsetzung des Vienna Agreement

Vor mehr als 20 Jahren wurde bei Austrian Standards das sogenannte Vienna Agreement zwischen dem Europäischen Komitee für Normung CEN und der Internationalen Normungsorganisation ISO unterzeichnet. Auf Basis dieser Vereinbarung aus dem Jahr 1991 werden seitdem Normen entwickelt, die sowohl den Status einer Europäischen als auch einer Internationalen Norm erhalten (EN ISO). Die weitgehende Übernahme der ÖNORM S 5730 in eine entsprechende EN ISO zeigt einmal mehr, wie gut das Abkommen funktioniert und wie damit die europäische und internationale Zusammenarbeit vereinfacht werden kann.

Autor: Herbert Hirner

Bibliographie

ÖNORM S 5730 Erkundung von Bauwerken auf Schadstoffe und andere schädliche Faktoren
ÖNORM EN ISO 16000-32 „Innenraumluftverunreinigungen; Teil 32: Untersuchung von Bauwerken auf Schadstoffe und andere schädliche Faktoren – Erkundung“

PR-ID: 0573-2012-09-14 / schadstoffe_bauwerke

Jörg Nachbaur

Haben Sie noch weitere Fragen zu diesem Thema?

Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme.

Jörg Nachbaur

Committee Manager
+43 1 213 00-524 +43 1 213 00-722