europäischer Standard Schafft "gemeinsame Sprache" für Patientenakte

Die Schlüsselanwendung verbessert die grenzüberschreitende Medikamentenversorgung und vernetzt Gesundheitssysteme

Ein neuer Standard verschafft Ärztinnen und Ärzten schneller Klarheit zu unserem Gesundheitszustand. Die Schlüsselanwendung verbessert die grenzüberschreitende Medikamentenversorgung und vernetzt Gesundheitssysteme. Vorteil: Das Gesundheitspersonal weiß ab sofort schneller, wie sie uns helfen können.

Wer träumt in der gegenwärtigen Situation nicht von Urlaub? Eines wird dabei immer klarer: Ohne Testung, ohne Impfung, ohne Nachweis unseres gegenwärtigen Gesundheitszustandes wird es in der nahen Zukunft nicht gehen. Die Standardisierung beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit ähnlichen Herausforderungen. Denn: Trotz bester Vorbereitungen bleibt im Urlaub ein wesentliches Utensil meist zu Hause: unsere Patientendaten.  Welche Medikamente nehmen wir? Haben wir Allergien? Gibt es Vorerkrankungen? Bei einem Unfall, einer plötzlichen Erkrankung oder gesundheitlichen Notfällen können solche Daten entscheidend sein. Klare Voraussetzung: Die Patientinnen und Patienten wollen solche Daten auch preisgeben.

 

Warum braucht es einheitliche Terminologien für digitale Patientenakten?

 

In vielen europäischen Ländern gibt es E-Health-Strategien, welche die medizinische Informatik vorantreiben. Meist sind diese Projekte eine nationale Angelegenheit. Das hat dazu geführt, dass

  • elektronischen Gesundheitssysteme sich im Laufe der Zeit unabhängig voneinander entwickelt haben.
  • es sich beispielsweise bei digitalen Patientenakten um geschlossene Systeme mit unterschiedlichen Terminologien handelt.

Informations- und Kommunikationstechnologien ermöglichen eine grenzüberschreitende medizinische Versorgung von Patientinnen und Patienten. Als Vermittler bzw. Koordinator strebt die EU an, die erheblichen Unterschiede in elektronischen Patientenakten durch geeignete Standards auszugleichen und eine einrichtungsübergreifende Versorgung zu erleichtern.

Standards erhöhen die Transparenz und Patientensicherheit. Sie verbessern die grenzüberschreitende Kooperation zwischen Krankenhäusern, Arztpraxen oder Pflegeeinrichtungen. Ein wesentlicher Schritt in diese Richtung ist die Patient Summary, die in der neuen ÖNORM EN 17269 "Medizinische Informatik – Die internationale Patienten-Kurzakte" definiert wird.

Sicherer AUStausch von Patientendaten

ÖNORM EN 17269:2020 03 15

Medizinische Informatik – Die internationale Patienten-Kurzakte

Der europäische Standard ermöglicht, dass Patientinnen und Patienten auch im Urlaub die richtigen Medikamente von Ärztinnen und Ärzten bekommen, wenn sie gebraucht werden.

Eine Patienten-Kurzakte – Welche Vorteile bringt sie?

Gehen wir auf Reisen oder machen Urlaub, reisen unsere Patientendaten nicht immer mit. Dies kann im Fall einer ungeplanten medizinischen Versorgung zu Komplikationen führen.

Welche Medikamente eine Patientin/ein Patient regelmäßig einnimmt, welche Vorerkrankungen er hat, seine Blutwerte oder frühere Behandlungen sind einzelnen Ärzten bekannt.

Aus diesem Grund wurde eine „Zusammenfassung von grundlegenden medizinischen Informationen“ – ein Patient Summary angestrebt. Nachzulesen auf der Website von HL7 Austria.

Patient Summary – welche Patientendaten sind enthalten?

Die Patient Summary ist eine standardisierte Zusammenfassung von grundlegenden medizinischen Informationen zu einer Patientin/einem Patienten. Die digitale Patientenakte enthält:

  • allgemeine demografische Daten: z. B. Name, Geburtsdatum, Geschlecht
  • eine Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse und Inhalte aus den Krankenakten des Patienten für die weitere medizinische Behandlung: z. B. aktuelle medizinische Probleme, Allergien, größere chirurgische Eingriffe, medizinische Implantate
  • die aktuelle Medikation

Das Ziel der standardisierten elektronischen Patientenakte ist es, einerseits den Angehörigen von Gesundheitsberufen einen schnellen Überblick zu geben, andererseits die wichtigsten Daten zu erfassen und in andere Sprachen übersetzbar zu machen.

ÖSTERREICH UND ELGA

In Österreich ist die Idee einer Patientenakte als elektronische Gesundheitsakte, abgekürzt ELGA, bereits etabliert. Sie beruht auf Freiwilligkeit der Patientinnen/Patienten, die wählen können, ob ihre Daten vollständig, teilweise oder gar nicht gespeichert werden sollen. Zusätzlich ist es möglich zu bestimmen, wer Einblick in diese Daten erhält und einzelne Personen oder Daten zu sperren.

Keine Warteschlangen in Arztpraxen

Die etablierte ELGA-Infrastruktur konnte von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten im Rahmen der COVID-Maßnahmen rasch genutzt werden. Therapeutisch nötige Rezepte wurden elektronisch an Apotheken geschickt. So konnte die Zahl der wartenden Patientinnen/Patienten in der Arztpraxis möglichst geringgehalten werden.

Voraussetzung dafür war eine aufrechte Anbindung der Ärzte und Apotheken an ELGA.

 

Patient Summary mit vergleichbaren Inhalten – Welche Neuerungen bringt die ÖNORM EN 17269?

 

Damit elektronische Akten grenz- und einrichtungsübergreifend verwendet werden können, braucht es nicht nur die Interoperabilität zwischen den Systemen in Krankenhäusern, Arztpraxen oder Pflegeeinrichtungen. Es braucht auch vergleichbare Inhalte.

Die ÖNORM EN 17269:2020 03 15 „Medizinische Informatik – Die internationale Patienten-Kurzakte“ definiert als erster Standard den Inhalt einer digitalen Patient Summary. Der europäische Standard ist im März 2020 erschienen.

Er bildet ein wesentliches Grundelement des grenzüberschreitenden Datenaustausches im europäischen Gesundheitswesen und baut auf vielen europäischen Projekten auf, z. B. auf EpSOS (Smart Open Services for European Patients).

Die ÖNORM EN 17269 berücksichtigt aber auch die Europäischen Richtlinien des eHealth Network (eHN) und anderer internationaler Bemühungen für die interoperable Spezifikation der Datensätze zur globalen Anwendung.

In der dazugehörigen technischen Spezifikation ONR CEN/TS 17288:2020-08-01 werden Anleitungen zur Implementierung für spezifisch gesetzliche Belange festgelegt, z. B. Richtlinien, Terminologien, Formate usw.

Ziele sind es, die Transparenz, Qualität und Patientensicherheit zu erhöhen und besseren Behandlungskooperationen bzw. Kosteneinsparungen zu erzielen.

STANDARDS FÜR EINE VERNETZTE, DIGITALE GESUNDHEITSPOLITIK

„Standards sind unverzichtbar für eine sichere, automatisierte Nutzung von Daten – zum Wohl und zur Sicherheit von Patientinnen und Patienten“, so Dr. Stefan Sauermann, Program Director Medical Engineering & eHealth der Fachhochschule Technikum Wien.

Der Vorsitzende des Komitees 238 „Medizinische Informatik“ ergänzt: „Die zunehmende Mobilität der Menschen, gepaart mit fortschreitenden digitalen Technologien, fordert sowohl Gesundheitspolitik und -systeme, die EU-weit kompatibel sind.“

Die medizinische Informatik ist wichtiger denn je. Präzise Informationen zu Patientinnen und Patienten sind unerlässlich, gerade wenn verschiedene Gesundheitsdienstleister in die Behandlung eingebunden sind.

„Es wäre schön“, so Dr. Stefan Sauermann, „wenn Österreich aktiver den Patient Summary verfolgen würde, dessen Einführung laut eHDSI Deployment Plan im Moment für frühestens 2023 geplant ist.“

Zertifizierung

Patient Safety Officer

Risiken für die Patientensicherheit in klinischen Prozessen erkennen, analysieren und bewerten.

 

Komitee 238 Medizinische Informatik

Die Krankheitsgeschichte von Personen wird heute vielfach digital festgehalten. Es sollte nicht nur die Datensicherheit gewährleistet sein. Es geht auch darum, die relevanten Aspekte im Datensatz festzuhalten, um die beste Versorgung sicherzustellen.

Bringen Sie Ihr Know-how direkt in das Komitee ein, um die medizinische Informatik zu verbessern.

 

Hintergrund

Eine große Rolle in der Patientensicherheit spielt die ePrescription der eHDSI und die e-Medikation in der ELGA, also die Speicherung von Daten zu verschriebenen, abgegebenen, auch regelmäßig eingenommenen Medikamenten.

Ärzte können mit diesem Überblick des Medikationsstatus äquivalente und lokal verfügbare Medikamente verschreiben. Gespeichert werden die Arzneimittel in einem eigenen e-Medikationssystem (e-Medikation), dadurch wird die Prüfung auf mögliche unerwünschte Arzneimittelwechselwirkungen möglich.

Diese Prüfung findet nicht in ELGA, sondern wie bisher durch die Ärzte selbst statt. Von der e-Medikation erfasst werden rezeptpflichtige und bestimmte in der Apotheke frei verkäufliche Arzneimittel (sogenannte „OTC-Produkte“), die wechselwirkungsrelevant sind. 

Die Vorteile der digitalen Patientenakte und der ePrescription liegen auf der Hand. Sie ermöglichen sorgenfreie Aufenthalte in anderen EU-Ländern. Kommt es zu einer ungeplanten Behandlung oder benötigt man dringend ein bestimmtes Medikament, ist man damit auch im Ausland in guten Händen.

Einem möglichen Missbrauch der eigenen Daten wird durch die Datenschutzgrundverordnung von vornherein ein Riegel vorgeschoben.

eHDSI ermöglich als derzeit im Europäischen Raum wichtigste Infrastruktur den grenzüberschreitenden Austausch von Gesundheitsdaten (Kerndienstleistungen und e-Medikation) im Rahmen der Connecting Europe Facility (CEF), einem transeuropäischen Netz zur Unterstützung digitaler Dienstleistungen.

Die allgemeinen Services sind notwendig für die Implementierung des Datenaustauschs auf Länderebene, die Kerndienstleistungen auf EU-Ebene. Beide zusammen sichern ein länderübergreifendes Gesundheitsservice (Cross Border eHealth Information Services, abgekürzt CBeHIS).

eHDSI ist ein europäisches Projekt, vergleichbar mit der österreichischen ELGA. Österreich hat in dieses Projekt sehr viel eingebracht, besonders in die Grundarchitektur IHE (Integrated Healthcare Enterprises). Diese Initiative von Anwendern und Herstellern hat das Ziel, den Datenaustausch zwischen IT-Systemen im Gesundheitswesen zu standardisieren und zu harmonisieren. Ein gelungenes Beispiel dafür ist die internationale Patienten-Kurzakte und e-Medikation. Die e-Medikation ist in Österreich in der ELGA und auf Europäischer Ebene in der eHDSI umgesetzt.

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Occupational health and safety management -- General guidelines for safe working during the COVID-19 pandemic

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Annette Altenpohl-Steurer, Committee Manager

Annette Altenpohl-Steurer

Committee Manager