Vertikalbegrünung im Außenraum

Standards tragen zur Erreichung der Klimaziele bei. Gebäude machen ca. 30 Prozent des Gesamtenergiebedarfs aus. Die CO2-Bilanz kann mit Vertikalbegrünung verbessert werden. Die neue ÖNORM L 1136 hilft bei der ganzjährigen Begrünung.

Besonders in Städten sind Vertikalbegrünungen immer öfters zu sehen. Die senkrechten Gärten verschönern nicht nur das Stadtbild. Vertical Greening-Systeme haben auch einen ökologischen und wirtschaftlichen Nutzen.

 

Welche Vorteile bringt eine Vertikalbegrünung im Außenraum?

Das globale Klima wird wärmer, die Sommer werden in der Stadt heißer. Fassadenbegrünungen haben einen hitzemindernden Effekt. Sie kühlen, regulieren die Luftfeuchtigkeit, sind positiv für das Mikroklima und schlucken Lärm. Das hilft uns, in heißen Sommermonaten besser zu schlafen.

Die Vorteile auf einen Blick:

  • Wohlfühlaspekt: Menschen brauchen zum Wohlfühlen eine „grüne“ Umgebung, sie brauchen Pflanzen. Diese wirken sich positiv auf Stimmung und Körper aus.
  • Kühlung: Die Vertikalbegrünung fungiert als grüner Schutz der Gebäude vor einer möglichen Erhitzung durch starke Sonneneinstrahlung.
  • Verbesserte Luft: Pflanzen reinigen die Luft. Begrünte Gebäude nehmen CO2 auf und wandeln dieses in wertvollen Sauerstoff um.
  • Reduktion des Schallpegels: Die Vertikalbegrünung wirkt schallisolierend und sorgt für mehr Ruhe und Erholung in den Innenräumen.
  • Umwelteinflüsse: Vertikalbegrünungen schützten Gebäude vor schädlichen Einflüssen (z. B. Schlagregen, Sonneneinwirkung, Überhitzung).
  • Wirtschaftlichkeit: Durch den Kühleffekt erhöhen Vertikalbegrünungen z. B. auch den Wirkungsgrad von Solaranlagen.

Deshalb werden Vertikalbegrünungen werden immer stärker in Stadtentwicklungskonzepten berücksichtigt. In Wien soll diese künftig bei jeder neuen Festsetzung oder Abänderung eines Flächenwidmungs- und Bebauungsplanes integriert werden.

Begrünung, die schützt und nützt

Standards beschreiben die Anforderungen für unterschiedliche Bereiche der Vertikalbegrünung. Es geht um die Planung, Ausführung und Pflege.

ÖNORM L 1131:2010 06 01

Fokus auf Begrünung von Dächern und Decken auf Bauwerken

ÖNORM L 1133:2017 03 01

Fokus auf die Innenraumbegrünung

Neu:

ÖNORM L 1136:2021 04 01

Fokus auf die ganzjährige Begrünung

Wie können Standards bei der Begrünung von Wand- und Gebäudeflächen helfen?

Der öffentliche Raum wird grüner. Zwei etablierte Standards sorgen dafür, dass Mindestanforderungen bei der Umsetzung von Bauwerksbegrünungen eingehalten werden.

Die ÖNORM L 1131 für Dachbegrünungen und die ÖNORM L 1133 für Innenraumbegrünungen.

Mit der ÖNORM L 1136 „Vertikalbegrünung im Außenraum“ gibt es einen neuen Standard. Das Ziel ist es, die ganzjährige Begrünung von Wand- und Gebäudeflächen zu erreichen. Jahreszeiten und die geografische sowie klimatische Lage werden dabei berücksichtigt.

„Der Standard geht von der Pflanze und ihren Ansprüchen an den Standort aus“, sagt Herbert Eipeldauer, Vorsitzender der AG 229.17 „Bauwerksbegrünung“. Der Geschäftsführer der Ing. Herbert Eipeldauer Garten- u Landschaftsbau GmbH ergänzt: „Begrünung muss auf Jahrzehnte angelegt sein. Der Standard beschreibt, wie das erzielt werden soll.“

Wie werden Vertikalbegrünungen geplant?

Es gibt vielfältige Möglichkeiten der Begrünung. Vertikalbegrünungen werden in Abhängigkeit von der Nutzung, den bautechnischen Gegebenheiten und der Bauweise geplant.

Die Auswahl der Pflanzenarten richtet sich nach dem Standort (Standortklima, Sonnenscheindauer, Wind, Temperaturverlauf), der Wuchshöhe und ästhetischen Aspekten. Es handelt sich um boden-, trog- oder wandgebundene Kletterpflanzen.

Die Gebäude selbst sind ebenfalls zu berücksichtigen. Bei der Montage eines Begrünungssystems gilt es die rechtliche Voraussetzung (Denkmalschutz, Brandschutz, Nachbarschaftsrecht, Nutzungssicherheit etc.) zu prüfen. Die Bauwerkskonstruktion muss ausreichend tragfähig sein.

"Nationale und internationale Standards können wesentlich zur Erreichung der Klimaziele beitragen. Besonders im Baubereich. Ihr Potenzial ist noch nicht ausreichend ausgeschöpft", sagt Elisabeth Stampfl-Blaha, Direktorin von Austrian Standards. „Das vorhandene Expertenwissen sollte als Schutzschild gegen die globale Klimaerwärmung strategisch besser eingesetzt werden“, meint sie abschließend.

Im Komitee „Grünräume“ beschäftigt sich auch die Arbeitsgruppe „Bauwerksbegrünung“ mit den neuesten nationalen und internationalen Entwicklungen. Know-how ist immer gefragt.

Komitee 299 Grünräume

Vertikalbegrünung hat viele Vorteile: sie wirkt im Sommer kühlend, im Winter wärmend. Sie verbessert nicht nur unser Wohlbefinden. Sie leistet auch einen positiven Beitrag für den Klimaschutz und trägt zur Wirtschaftlichkeit bei.

Setzen Sie Standards, um das Stadtbild zu verschönern und bringen Sie Ihr Fachwissen direkt in das Komitee ein.

Innovation aus Österreich

Das Innovationslabor zur Fassadenbegrünung GrünStattGrau in Wien hat ein Ziel: die durchgängige Begrünung von Stadtquartieren durch gezielte Maßnahmen zur Gebäudebegrünung (z.B. mit der ÖNORM L 1131).

Der Living Standards Award-Preisträger 2018 bietet Interessierten eine Projektbegleitung und Beratung.

HintergrundWissen zur Vertikalbegrünung

Bei der Pflege von Vertikalbegrünungen ist auf die geltenden Naturschutzgesetze sowie auf den Ensembleschutz und die Denkmalgesetze zu achten.

Zu Pflegemaßnahmen zählen unter anderem:

  • Form- und Rückschnitt
  • Freihalten technischer Einrichtungen von Bewuchs
  • Entfernung von Fremdaufwuchs
  • Bedarfsgerechte Versorgung mit Nährstofen (Feststoff-, Depotdünger) entsprechend der ÖNORM L 1120
  • Bewässerung (mit Möglichkeit für Beifügung von Flüssigdüngern, Pflanzenschutzmitteln, etc.)
  • das Leiten von Rankpflanzen
  • Pflanzenschutzmaßnahmen: es sind alle vorbeugenden Maßnahmen zu beachten und beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln selektive und umweltverträgliche Mittel zu verwenden
  • Nachpflanzung
  • Nachsaat
  • Nachfüllen von Substrat bei Erosion

Es ist eine Kombination von gärtnerischen Pflegemaßnahmen und der Wartung und Instandhaltung technischer Einrichtungen (z.B. die Kontrolle der Bewässerungsanlage) anzustreben.

Bei Reinigungstätigkeiten am Gebäude, sowie beim Winterdienst, sind die Vegetation, der durchwurzelbare Raum, sowie die Konstruktionen vor dem Eintrag von schädigenden Materialien bzw. Substanzen zu schützen.

Für den Umfang gärtnerischer Pflegemaßnahmen, Wartung und Instandhaltung technischer Einrichtungen ist in jedem Fall ein Pflegevertrag zu definieren und ein Pflegeprotokoll zu führen, das einen Pflegeplan enthält.

Österreich liegt mit seinem Grünstadtbau in Europa bereits im Vorfeld, was die Vertikalbegrünung betrifft. Die Zusammenarbeit mit anderen europäischen Staaten gestaltet sich eher schwierig, aufgrund der unterschiedlichen Pflanzenarten und Standortbedingungen in den einzelnen Ländern.

Haben Sie noch weitere Fragen zu diesem Thema? Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme.

Lisa Jesner, Committee Manager

Lisa Jesner

Committee Manager