Besitzer haften für "Bruder Baum"

Ein OGH-Urteil macht den Besitzer für Schäden, die ein Baum verursacht, haftbar und unterstreicht damit die Wichtigkeit der systematischen Kontrolle und Pflege von Bäumen. Dem Thema widmen sich zwei im Vorjahr aktualisierte ÖNORMEN.

Wien (AS prm, 10.02.2012)
Baumschnitt

Credit: AS prm

2008 richtete das Sturmtief "Emma" in Ober- und Niederösterreich großen Schaden an. In St. Pölten kam durch einen umstürzenden Baum eine Frau ums Leben, drei Menschen wurden dabei schwer verletzt. Durch den orkanartigen Wind war eine alte, 20m hohe Pyramidenpappel auf einen fahrenden PKW gestürzt.

Die Frage nach der Verantwortung für diesen tragischen Unfall hat vor kurzem der Oberste Gerichtshof in letzter Instanz geklärt. Nach dem OGH-Urteil haftet die Stadt St. Pölten als damalige Eigentümerin des Baumes. Bäume sind zwar keine Bauwerke, bei Schäden durch um- oder herabfallende Teile werden sie aber juristisch wie Bauwerke behandelt.

Das Urteil rückt bislang wenig bekannte und nicht beachtete Aspekte in das öffentliche Interesse: Die Sicherheit von Bäumen und die Sorgfaltspflicht ihrer Besitzer. Die Verantwortung für einen Baum liegt beim Grundbesitzer – dieser haftet eben auch im Schadensfall. Dies gilt nicht nur für Kommunen, sondern auch für Private. Es empfiehlt sich also dringend, über den Zustand der eigenen Gehölze informiert zu sein.

Baumkontrolle mit System

Zuverlässige Unterstützung bei der Kontrolle und Pflege von Bäumen bietet die im Vorjahr aktualisierte ÖNORM L 1122. Das umfassende Werk dient zum einen der Sicherung des Altbaumbestands durch kontrollierte Pflege und beschreibt Maßnahmen bei Neupflanzungen und Absicherungen.

Zum anderen schafft das Regelwerk Mindestsicherheitsstandards für den Zustand von Gehölzen. Bei "jugendlichen" Bäumen bis ca. 15 Jahre stehen vor allem Anwuchs- und Entwicklungspflege im Vordergrund. Im weiteren Verlauf des Baumlebens herrschen formgebende Schnittmaßnahmen, Auslichtungen und das Entfernen dürrer Äste vor. Auch die Intervalle der Kontrollen sind, gestaffelt nach Lebensalter und Gesundheitszustand, geregelt.

Anwendung findet die Norm sowohl bei der Kontrolle und Pflege von Einzelbäumen als auch bei waldähnlichen Beständen. Sie dient der ausführungsgerechten Gestaltung projektmäßiger Lösungen und hilft bei Pflegemaßnahmen, die dem Stand der Technik entsprechen und damit auch die Verkehrssicherheit gewährleisten.

Bestandssicherung durch Dokumentation

Die ebenfalls 2011 aktualisierte ÖNORM L 1125 beschreibt die Anforderungen an einen Baumkataster. Durch die umfassende und systematische Dokumentation des physiologischen Zustands von Bäumen kann ein nachhaltiger, verkehrssicherer und funktioneller Baumbestand gesichert werden. Während der Baumkataster für Private nur Empfehlungscharakter hinsichtlich Dokumentation und Überprüfung hat, ist er für die öffentliche Hand verpflichtend.

Die ÖNORMEN L 1122 und L 1125 leisten einen maßgeblichen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz, stellen eine wichtige Orientierungshilfe in gestalterischen Belangen dar und werden zunehmend als Grundlage für rechtskonformes Handeln herangezogen.

So wurde etwa das Urteil zum Unglücksfall von St. Pölten unter anderem damit begründet, "dass die Beklagte nicht alle zur Abwendung der Gefahr erforderliche Sorgfalt angewendet hat, weil der Baum noch keiner Untersuchung entsprechend der ÖNORM L 1122 unterzogen worden war, obwohl er an einer stark frequentierten Straße stand und schon aus diesem Grund seine Verkehrssicherheit bevorzugt zu kontrollieren gewesen wäre". Anlass, sich noch mehr als bisher um den Gesundheitszustand alter Bäume zu kümmern.

Autor: Herbert Hirner

Bibliographie

ÖNORM L 1122 Baumkontrolle und Baumpflege
ÖNORM L 1125 Anforderungen an einen Baumkataster

PR-ID: 0506-2012-02-10 / baum-kontrolle

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