22. März: Weltwassertag

Geprüfte Qualität - von der Quelle bis zum Wasserhahn

Wasserhahn
Credit: AS prm / stern

Österreich ist eines der wenigen EU-Länder mit einer Norm, die dafür sorgt, dass Materialien, die mit unserem Trinkwasser in Berührung kommen, mit Sicherheit unbedenklich sind. Anlässlich des Weltwassertags am 22. März macht Austrian Standards auf dieses Regelwerk aufmerksam, das zum nachhaltigen Schutz der Trinkwasserqualität beiträgt und beispielgebend für Europa ist.

Trinkwasser ist unser wichtigstes Lebensmittel. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern ist Österreich in der glücklichen Lage, seinen Bedarf an qualitativ hochwertigem Trinkwasser fast zur Gänze aus geschützten Grundwasservorkommen abzudecken. Es gelangt naturbelassen und mit ausgezeichneter Qualität zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern.

Dass die hohe Qualität des Trinkwassers am Weg von der Quelle bis zur durstigen Kehle erhalten bleibt, dafür sorgt die ÖNORM B 5014 "Sensorische und chemische Anforderungen und Prüfung von Werkstoffen im Trinkwasserbereich". "Ein dreiteiliges nationales Regelwerk, das die Anforderungen an jene Werkstoffe genau definiert, die mit unserem Trinkwasser in Berührung kommen", erklärt Dipl. Ing. Jörg Nachbaur, zuständiger Komitee-Manager für das Komitee 140 "Wasserqualität" bei Austrian Standards.

Wieso eine heimische Norm für Werkstoffe?

Kunststoffrohre
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Am Weg von der Quelle bis zum Wasserhahn legt unser Trinkwasser kilometerlange Strecken zurück. Es fließt durch Beton-, Metall- oder Kunststoffrohre, wird in Sammelbecken aufgefangen, in Behältern gespeichert und von dort in Gebäude und Wohnungen geleitet, wo es dann aus dem Wasserhahn sprudelt und bedenkenlos konsumiert werden kann.

"Bevor es in unsere Kehlen rinnt, kommt das Trinkwasser also mit jeder Menge an Stoffen in Berührung, die die Wasserqualität so wenig wie möglich negativ beeinflussen und die Gesundheit nicht beeinträchtigen sollten", betont Ing. Helmut Richter, Mitarbeiter des Fachbereichs Kunststoff- und Umwelttechnik an der Staatlichen Versuchsanstalt TGM Wien. "Je länger sich das Wasser in Kunststoff- oder Metallrohren, Behältern oder Armaturen aufhält, desto wahrscheinlicher kommt es zu unliebsamen Material-Eintragungen, die die Wasserqualität mindern und sich negativ auf die Gesundheit auswirken können", warnt der Chemiker.

"Nicht nur Bleirohre, auch andere Metall- und Kunststoffrohre geben Stoffe ans Wasser ab, die nichts im Trinkwasser verloren haben", warnt Richter. "Vor allem Armaturen, deren Innenleben aufwendig gestaltet ist, können mit Legierungen, die Blei und andere unerwünschte Metalle enthalten, versehen sein. Metalle, die auf diese Weise ins Trinkwasser gelangen, können bereits bei geringen Dosen gesundheitsschädigend sein. Für ihre Konzentrationen wurden deshalb in der Trinkwasserverordnung sehr niedrige Parameterwerte (= Grenzwerte) festgelegt."

Wasser ist ein verderbliches Lebensmittel

Umso wichtiger ist es, nach Aufdrehen des Wasserhahnes unbedingt vor dem Trinken das abgestandene Wasser aus den Rohren abrinnen zu lassen. Denn Wasser ist - wie jedes andere Lebensmittel auch - sehr empfindlich. Erst wenn das Wasser kalt aus dem Hahn kommt, ist es frisch und somit unbedenklich genießbar", appelliert Richter.

Der Trinkwasserexperte beschäftigt sich bereits seit mehr als 20 Jahren mit dem Thema Materialeinflüsse auf die Wasserqualität und setzt sich dabei auch auf europäischer Ebene für die Entwicklung einheitlicher Zulassungsverfahren für trinkwassertaugliche Materialien ein.

Als es jedoch im Jahr 2008 absehbar wurde, dass es in den europäischen Gremien nicht so rasch zu einer Einigung kommen werde, formierte sich unter dem Vorsitz von Ing. Richter ein Expertengremium bei Austrian Standards, in dem Vertreter von Industrie, Wirtschaft sowie Forschungs- und Prüfinstituten ein gemeinsames nationales Regelwerk entwickelten.

Richters Hauptmotivation: "Die einzigartig hohe Qualität des österreichischen Trinkwassers braucht sofortigen und strengen Schutz. Bis es zu einer harmonisierten europäischen Lösung kommen wird, rinnt noch viel Wasser den Berg und unsere Kehlen runter. Solange dürfen wir nicht warten. Die ÖNORM B 5014 macht es möglich, unser qualitativ hochwertiges, natürliches Trinkwasser vor einer negativen Beeinflussung durch Verwendung ungeeigneter Materialien bereits bei Transport und Speicherung des Wassers zu schützen", so Richter.

Das österreichische Trinkwasser unterliegt zwar bereits sehr strengen Hygienebestimmungen, die unter anderem in der Trinkwasserverordnung festgelegt sind. "Diese Bestimmungen kommen jedoch erst bei der Wasserentnahme aus dem Zapfhahn zum Tragen", erklärt der Experte. Am Weg bis dahin gibt es bis dato keine verbindlichen Regelungen zum Qualitätsschutz. Denn die Trinkwassertauglichkeit von Bauprodukten wird beispielsweise im österreichischen Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetz (LMSVG) NICHT geregelt.

Empfehlung des Gesundheitsministeriums

2013 wurde die ÖNORM B 5014, die so wie jede andere Norm auch, nur Empfehlungscharakter hat, auf eine verbindlichere Ebene gehoben. Die Codex-Kommission des Gesundheitsministeriums hat eine Empfehlung für Umsetzung und Einhaltung der ÖNORM B 5014 verfasst und diese im Österreichischen Lebensmittelbuch (Codex Alimentarius Austriacus) festgeschrieben. Für ao. Univ. Prof. Dipl. Ing. Dr. Regina Sommer, Vorsitzende der Codex-Kommission "Trinkwasser" im Gesundheitsministerium und Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Hygiene, Mikrobiologie und Präventivmedizin, ein wichtiger Schritt zum nachhaltigen Schutz des österreichischen Trinkwassers. "Ohne standardisierte Regelungen droht der österreichische Markt von minderwertigen Produkten überschwemmt zu werden. Die ÖNORM B 5014 dient unter anderem zur Sicherheit der privaten Häuslbauer, die in Baumärkten möglichst günstige Produkte kaufen, diese einbauen und dann zu spät erkennen, dass ihr Trinkwasser in schlechter Qualität oder gar ungenießbar aus dem Hahn rinnt. Ein Ausbau und Austausch der Installationen ist dann aufwendig und sehr teuer". Für die Hygieneexpertin, die zehn Jahre lang die Normungsarbeiten des Komitees 140 "Wasserqualität" bei Austrian Standards geleitet hat, spielt die ÖNORM B 5014 eine enorm wichtige Rolle in punkto Prävention: "Sie schützt unser Trinkwasser bereits am Weg zum und im Zapfhahn".

Verantwortungsvolle Wasserversorger

Wasserzähler
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Auch die Wasserversorger des Landes sind froh über das Regelwerk, "denn schließlich sind wir dafür verantwortlich dafür, dass das Trinkwasser in stabiler Qualität beim Konsumenten ankommt", betont Wolfgang Zerobin, Betriebsvorstand der Wiener Wasserwerke (MA 31). "Die ÖNORM B 5014 hilft uns Versorgern dabei, den Unsicherheitsfaktor Material auszuschalten und eine Qualitätsminderung zu verhindern. Wir arbeiten hier sehr verantwortungsbewusst und orientieren uns bei der Verwendung von Materialien im Trinkwasserbereich sehr strikt an den Empfehlungen der Norm", so Zerobin. Die Verantwortung der Versorger endet jedoch beim Wasserzähler. Ab dann ist der Haus- oder Wohnungseigentümer für die eingesetzten Materialien zuständig. "Und genau ab hier wäre eine verbindliche gesetzliche Reglementierung zum Schutz der Wasserqualität nötig, damit Produkte aus Materialien, die die Qualität des Wassers mindern können, gar nicht im Handel angeboten werden können", fordert Zerobin.

Was beschreibt die ÖNORM?

Zum Praktischen: In der dreiteiligen ÖNORM B 5014 werden Anforderungen und Prüfungsverfahren für organische, zementgebundene und metallische Werkstoffe beschrieben, die mit Trinkwasser, Warm- und Heißwasser in Kontakt kommen. Anzuwenden ist die Norm demnach auf Rohrleitungen, Dichtungen, Armaturen, Installationen und Wasserbehälter. Die Überprüfung hat durch eine entsprechend akkreditierte Prüf- und Inspektionsstelle (Konformitätsbewertungsstelle) zu erfolgen. Zu den vorgeschriebenen Methoden zählen neben der Geruchs- und Geschmacksprüfung auch die Prüfungen von Migrationen, Chlorzehrung, des mikrobiologischen Verhaltens der Werkstoffe sowie eine Bewertung der eingesetzten Roh- und Hilfsstoffe.

Geprüfte Werkstoffe

Die ÖNORM B 5014 ermöglicht zudem dem Hersteller, in Eigeninitiative seine Produkte auf Trinkwasser-Eignung prüfen, zertifizieren und registrieren zu lassen. Er bekommt eine Urkunde, die die Unbedenklichkeit und Gütesicherung bescheinigt, dokumentiert und als Gütesiegel für den Kunden dient. Ebenso stellt dieser Nachweis der Normkonformität sicher, dass die eingesetzten Werkstoffe während der gesamten Verwendungsdauer, die bis zu 100 Jahre betragen kann, die Trinkwasserqualität erhält.

Die Registrierung erfolgt durch Austrian Standards. Anhand der entsprechenden Nachweise können Hersteller eine Kennzeichnung mit "TW" (Trinkwasser-Eignung) für ihr Produkt beantragen. Interessierte Konsumenten können sämtliche registrierten trinkwassertauglichen Produkte in der Zertifikatsdatenbank auf der Online-Plattform von Austrian Standards abfragen.

Autorin: Astrid Kasparek

Bibliographie

ÖNORM B 5014 Sensorische und chemische Anforderungen und Prüfung von Werkstoffen im Trinkwasserbereich;
Teil 1: Organische Werkstoffe
Teil 2: Zementgebundene Werkstoffe
Teil 3: Metallische Werkstoffe
ONR 25014-3 Liste der trinkwasserhygienisch geeigneten metallischen Werkstoffe für Trinkwasserrohre – Ergänzende Bestimmungen zur ÖNORM B 5014-3
Empfehlung des BMG hinsichtlich der Anforderungen an Materialien in Kontakt mit Trinkwasser

Milo Halabi / Regina Sommer / Arno Sorger:
Wasserhygiene in Gesundheitseinrichtungen –
Das Praxishandbuch für den Umgang mit Wasser in Krankenhäusern, Praxen, Pflegeheimen, Kurzentren und anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens
Buch:    ISBN 978-3-85402-261-9 
E-Book: ISBN 978-3-85402-262-6

PR-ID: 0711-2014-03-20 / weltwassertag_trinkwasser

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Jörg Nachbaur

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Jörg Nachbaur

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