Standardisierung 2.0

Haben Standards das Ohr nah genug an den Anwenderinnen und Anwendern? Diese Frage stellen sich Standardisierungsorganisationen auf der ganzen Welt. Denn: Ein Standard lebt von der Akzeptanz am Markt. Austrian Standards weiß um die Relevanz einer kundenzentrierten Denkweise als wichtiger Erfolgsfaktor und hat sich daher beim Co-Creation Lab der Wirtschaftsagentur Wien mit der Zukunft des kollaborativen Arbeitens beschäftigt.

Wien (AS prm, 25.11.2019)

"Die Digitalisierung bringt tiefgreifende Veränderungen mit sich - auch für die Standardisierung. Alles wird beschleunigt, die Technologiesprünge werden immer kürzer. Wir haben uns die Frage gestellt, was das für die Rahmenbedingungen der Standardisierung bedeutet. Eine große Chance sehen wir in der Optimierung der Usability - also die Anwenderfreundlichkeit unserer Lösungen. Dank digitaler Lösungen können wir Anwenderinnen und Anwendern von Standards ermöglichen, ihr Feedback unmittelbar und niederschwellig einzubringen", beschreibt Elisabeth Stampfl-Blaha, Managing Director von Austrian Standards, die Ausgangssituation.

In der Standardisierung vernetzen sich themenbezogen Akteurinnen und Akteure aus der Wirtschaft, der Forschung und dem öffentlichen Bereich. Aktuell sind rund 4.300 österreichische Fachleute Teil dieses internationalen Netzwerks. Sie verfolgen gemeinsam ein Ziel: praktikable Lösungen für Problemstellungen und Herausforderungen im Daily Business zu finden. Der veröffentlichte Standard ist dabei das Ergebnis eines fachlichen und inhaltlichen Konsenses.

"Gerade die branchenübergreifende Zusammenarbeit ist wichtiger denn je, um Antworten auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen zu finden, wie z. B. Energiewende oder digitale Transformation. Das Co-Creation Lab war für uns die passende Plattform, um aus eigenen Denksilos auszubrechen und gleichzeitig Möglichkeiten zu finden, wie die Standardisierung zukunftsfit wird", ergänzt Stampfl-Blaha die Beweggründe für die Teilnahme von Austrian Standards am Co-Creation Lab der Wirtschaftsagentur Wien.

Austrian Standards Co-Creation-Challenge - From standards taker to standards maker

Das Co-Creation Lab der Wirtschaftsagentur Wien bietet einen moderierten Prozess, um innovative Lösungsansätze für Business-Herausforderungen zu finden. Austrian Standards hat im September 2018 eine Challenge formuliert: Anwenderinnen und Anwender von Standards sollen aktivierende Möglichkeiten (online/offline) haben, laufend und unmittelbar Praxiserfahrungen und Verbesserungsvorschläge mitzuteilen. Damit soll der Austausch innerhalb der Community gefördert, die Vernetzung vereinfacht und die Transparenz der Ergebnisse erhöht werden. Es wurden methodische, technologische und kommunikative Lösungen gesucht.

"Die Challenge von Austrian Standards hat sehr viele Anknüpfungspunkte geboten. Welche Möglichkeiten gibt es technisch, um möglichst unmittelbar und authentisch Feedback zu geben? Wie kann man die Anwender motivieren, sich bei der Neugestaltung und Anpassung von Standards mit ihren Praxiserfahrungen einzubringen? Das war eine spannende Herausforderung für unsere Lösungsanbieter, sich innovative Ansätze zu überlegen", erzählt Eva Czernohorszky, Leiterin der Abteilung Technologie Services der Wirtschaftsagentur Wien.

Mit drei Lösungsanbietern zu fünf Key Findings für eine zukunftsfitte Standardisierung

Die drei Lösungsanbieter Smarter Business Solutions, yOURS und beteal haben ihre Lösungsansätze in einem Hearing im Dezember 2018 präsentiert. Jeder Ansatz hat einen anderen Schwerpunkt fokussiert: Feedback geben, Community managen und Co-Creation ermöglichen.

"Ich habe mit Standards nicht gerade Innovation verbunden. Das hat sich mit der Co-Creation-Challenge geändert. Unsere Idee des Chat-Bots wurde bei einem Design-Thinking-Workshop mit Austrian Standards gechallenged. Es hat sich herausgestellt, dass unsere Lösung noch nicht passend ist. Trotzdem bin ich froh, mitgemacht zu haben", meint Florian Grasel, Geschäftsführer von Smarter Business Solutions.

Die Eindrücke von Nikola Palkovich, CEO bei yOURS: "Unsere Software yOURS ermöglicht, eine Community auf einem niederschwelligen Level zu involvieren. Sie wird Teil des Projekts und kann sich damit identifizieren. Emotionale Kundenbindung ist das Stichwort. Austrian Standards ist als offener Gesprächspartner aufgetreten und hat Interesse gezeigt, kundenorientierte Ansätze in die Organisationsstruktur einzubinden."

"Wir haben für die Co-Creation-Challenge einen Design-Thinking-Ansatz vorgeschlagen - mit dem Ziel, eine Online- und Offline-Community aufzubauen. Wir haben Austrian Standards als eine dynamische und innovativ denkende Organisation kennengelernt, mit der man gerne zusammenarbeitet", schildert Enikö Balint, Managing Director von beteal.

Alle drei Lösungsanbieter wurden im April 2019 mit Vertiefungsworkshops beauftragt, um gemeinsam Key Findings abzuleiten:

  1. Prioritäten setzen: Die Themen- und Branchenvielfalt innerhalb der Standardisierung ist groß. Wesentlich ist, den Bereich festzustellen, wo Möglichkeiten für unmittelbares Feedback am wichtigsten sind.
  2. Kundenzentriert denken: Die Anwendungsszenarien sowie "Pains and Gains" der Anwender im Umgang mit Standards über den gesamten Lebenszyklus in den Mittelpunkt stellen.
  3. Klare Rollenbilder: Es müssen klare Use Cases definiert werden. Braucht es einfache Feedback-Funktionen oder eine umfangreichere Auskunftsleistung?
  4. Feedback-Loops: Feedback ist ein begleitender Prozess und sollte zur Kommunikation einladen.
  5. Menschen vor Technologie: Jede technologische Möglichkeit muss die Menschen begeistern und braucht niederschwellige (Einstiegs-)Möglichkeiten.

"Die Vertiefungsworkshops haben uns sehr geholfen, neue Sichtweisen auf Innovations- und Entwicklungsprozesse zu erhalten. Wir sind sehr dankbar für den professionellen Austausch auf Augenhöhe. Dank der produktiven und effizienten Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsagentur Wien im Rahmen des Co-Creation Labs wissen wir jetzt, wo wir ansetzen müssen und können die Erkenntnisse in unsere Produktentwicklung einfließen lassen", sagt Elisabeth Stampfl-Blaha von Austrian Standards abschließend.

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