"Wir sehen uns in der Verantwortung"

Die oberösterreichische Rosenbauer International AG ist einer der weltweit führenden Hersteller von Feuerwehrtechnik. Als die Deutschland-Tochter 2011 in ein Kartellverfahren verwickelt war, hatte der Konzern ein veritables Problem. Das Management ging die Lösung aktiv an und beschäftigte sich eingehend mit dem Thema Compliance. Zwei Jahre später wurde das Compliance Management System von Rosenbauer nach dem neuen Standard ONR 192050 zertifiziert. Ein Gespräch mit Dr. Wolfgang Stroh, dem verantwortlichen Compliance Manager von Rosenbauer, über seine Erfahrungen.

Kommunalfahrzeug
Foto: Rosenbauer

Die Zahlen sprechen für sich: 645 Millionen Euro Umsatz und eine Steigerung von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr – das ist die Bilanz aus 2012. Im laufenden Geschäftsjahr will der Feuerwehrausstatter aus dem oberösterreichischen Leonding die Umsatzmarke von 700 Millionen überspringen. Das Geschäft läuft gut, Rosenbauer expandiert. Die Produktion in Leonding wird gerade erweitert, in Saudi-Arabien sind eine eigene Fertigung und Serviceorganisationen geplant, der Personalstand liegt bei knapp 2 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.  

„Wachstum und steigender Umsatz bedeuten natürlich auch ein Mehr an Verantwortung“, weiß Dr. Wolfgang Stroh, der bei Rosenbauer dafür verantwortlich ist, dass die rechtlichen Grundlagen und Kodizes eingehalten werden. Doch Compliance beschränkt sich nicht nur darauf. Im Rahmen der Corporate Governance dient sie auch dazu, gute Unternehmensführung zu fördern. Bei Rosenbauer geht man mit dem Thema offen um – möglicherweise eine Folge der eigenen Erfahrungen. Für Wolfgang Stroh, der sich auch an der Entstehung des Standards für Compliance Management Systeme im Komitee 265 bei Austrian Standards beteiligt hat, nicht verwunderlich: „Die Erfahrung zeigt, dass es überall dort, wo es einen konkreten Anlassfall gegeben hat, viel leichter ist, ein Compliance Management System einzuführen als anderswo. Die Mitarbeiter wurden dadurch für das Thema sensibilisiert und können den Sinn der notwendigen Veränderungen besser nachvollziehen.“

Nachweis der Zuverlässigkeit

Dr. Wolfgang Stroh

Bei Rosenbauer hat man die Lektion gut und gründlich gelernt. Nach dem Kartellverfahren in Deutschland wurden Mitarbeiter – auch bei Ausschreibungsverfahren – vermehrt auf einen Nachweis der Unbedenklichkeit angesprochen. So verlangte etwa die Berliner Feuerwehr umfassende Erklärungen, ehe sie den österreichischen Lieferanten wieder an den Verhandlungstisch bat. „Wir haben die Bedenken unserer Kunden verstanden und uns deshalb in der Verantwortung gesehen, nachzuweisen, dass wir zuverlässige Geschäftspartner sind“, so Compliance Manager Stroh. „Den Anfang hat unser Compliance Management System gemacht, das wir in weiterer Folge entsprechend der ONR 192050 ausgelegt haben. Und es war auch selbstverständlich, dass wir den Nachweis der Konformität des Systems in Form der Zertifizierung erbringen.“

Meilenstein ONR 192050

Ein bereits vorhandener deutscher Standard war für Rosenbauer nicht geeignet. Als reines Checklisten-Verfahren ohne inhaltliche Vorgaben war dieser auf Großunternehmen mit mehr als 5 000 Mitarbeiter ausgelegt. „Die österreichische ONR wurde auch in Deutschland als Meilenstein gefeiert“, weiß Dr. Peter Jonas, bei Austrian Standards für den Bereich Zertifizierung verantwortlich. „Wir überprüfen, ob ein normkonformes Compliance Management System vorhanden ist und inwieweit die Inhalte von Management und Mitarbeitern auch gelebt werden. Kern des Prüfverfahrens ist ein von Juristen und Wirtschaftsprüfern mit großer Erfahrung im Bereich Compliance durchgeführtes Audit. Dabei werden Unterlagen – selbstverständlich vertraulich – überprüft und stichprobenartige Kontrollen durchgeführt. Und man kann sicher sein: Die Auditoren wissen, wonach sie suchen müssen.“

Normen als Basis für den Erfolg

Flughafenfahrzeug
Foto: Rosenbauer

Mit der erfolgreichen Zertifizierung nach der ONR für Compliance Management Systeme hat die Rosenbauer International AG einen weiteren Nachweis erbracht, dass das Unternehmen Probleme aktiv löst und seine Verantwortung gegenüber seinen Kunden und anderen Stakeholdern wahrnimmt. Einmal mehr haben Standards dazu beigetragen, Vertrauen zu schaffen, um Zusammenarbeit zu ermöglichen. Wie wichtig Normen sind, darüber ist man sich bei Rosenbauer schon lange im Klaren. Bereits seit 1948 (!) ist der Feuerwehrausrüster Mitglied des Vereins Austrian Standards Institute, zahlreiche Experten von Rosenbauer sind auch gegenwärtig aktiv an der (Weiter-)Entwicklung von Normen beteiligt. Nicht zuletzt, weil „man dadurch am Puls der Zeit ist und diejenigen Dinge, die einen betreffen, aktiv mitgestalten kann“, ist Wolfgang Stroh überzeugt.

Und auch in der Anwendung ist man bei Rosenbauer bestens mit Normen vertraut. Schon vor 20 Jahren wurde das Unternehmen nach dem Qualitätsmanagementstandard ISO 9001 zertifiziert, hinzu kamen im Lauf der Jahre Zertifikate nach ISO 14001 (Umweltmanagement), OHSAS 18001 (Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz sowie ISO 50001 (Energiemanagement). Als Anbieter in einem stark von Normen getriebenen internationalen Markt hat man beim Feuerwehrausstatter Rosenbauer ein natürliches Naheverhältnis zu Standards. „Für unsere Produkte sind nicht nur die heimischen ÖNORMEN von Relevanz. Im Geschäft in Europa, Asien und Amerika sind es vor allem ISO-Standards, aber auch DIN aus Deutschland und das Regelwerk zum Brandschutz der National Fire Protection Association NFPA aus den USA“, so Wolfgang Stroh.

So lässt sich die Erfolgsgeschichte der Rosenbauer International AG auch als ein Erfolg der Standardisierung (be-)schreiben. Aufbauend auf den Standards, die zur Herstellung erstklassiger Produkte notwendig sind, festigen jene für die unterschiedlichen Managementbereiche diese Basis. Regeln für „Good Governance“ und Compliance Management helfen schließlich, den Unternehmenserfolg langfristig zu sichern.

Die Rosenbauer International AG ist einer der weltweit führenden Hersteller von Feuerwehrtechnik. Seit mehr als 145 Jahren entwickelt das im oberösterreichischen Leonding beheimatete Unternehmen Spezialfahrzeuge und Systeme für den Brand- und Katastrophenschutz. Das Portfolio umfasst kommunale Löschfahrzeuge, Drehleitern, Hubrettungsbühnen, Flughafen-, Industrie- und Sonderfahrzeuge, Feuerwehrausrüstung, Löschsysteme und Telematik-Lösungen für das Fahrzeugmanagement. Die Produkte erfüllen die Anforderungen österreichischer, europäischer und US-amerikanischer Normen. Rosenbauer ist in mehr als 100 Ländern vertreten und erwirtschaftete 2012 einen Konzernumsatz von 645 Millionen Euro.

Autor: Herbert Hirner

PR-ID: 0660-2013-08-05 / comliance_rosenbauer