MIRAKO Thermoholz

Mit Erfindergeist & Norm zu "neuem" Holz

Hubert Mitteramskogler ist kein gewöhnlicher Geschäftsführer. Sein oberösterreichisches Laubholzsägewerk hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten mit Erfindergeist und Konsequenz zum Marktführer in Sachen Thermoholz entwickelt. Wie nebenbei ist dabei die Europäische Normung zu diesem Thema aus der Wiege gehoben worden.

Hubert Mitteramskogler
Credit: AS prm / Koiner

[2008-10-28] Die Hochtemperaturkammer sieht nicht besonders aufregend aus: ein Metallkasten, groß wie eine Autowerkstattkabine, innen hohl und die Wände schwarz. Es riecht nach einer Mischung aus geselchtem Fleisch und Karamel. Die kleinste der vier Kammern fasst 10 Kubikmeter Holz, die größte 36. "Hierin wird das Laubholz kontrolliert erhitzt, bis es die Eigenschaften hat, die wir brauchen", erklärt Hubert Mitteramskogler. Laubholz kommt rein, Holz, das die Qualität von Tropenholz hat, wieder raus. "Thermoholz" am Markt genannt, "thermisch modifiziertes Holz" in der Normung.

Alte Idee neu ausgeführt

"Am Anfang gab es keine Norm, wir haben es einfach versucht", erzählt Mitteramskogler, der von Erfindergeist sprüht und stolz ist. Im August dieses Jahres ist die Vornorm ÖNORM CEN/TS 15679 für Thermoholz herausgekommen.

Der Anfang der Geschichte liegt weit zurück. Ende der 1990er Jahre hat Mitteramskogler eine neugierige Literaturrecherche auf ein vergessenes Verfahren gebracht. In Kanada erhitzte man 1924 Nadelholz und erzielte damit eine Erhöhung der Holzqualität: fester, haltbarer und unangreifbarer für Schädlinge. Dann ging es ans Probieren in Oberösterreich.

Holzstapel
Credit: AS prm / Koiner

Der konkrete Anfang: Tüfteln und Basteln. Im Eigenbau verwendeten Hubert Mitteramskogler und sein Team im Jahr 2000 einen Hochtemperaturofen von einer Glasbrennerei. Nach dem Probieren kam zwei Jahre später die erste industrielle Anlage. Ganz alleine ist Mitteramskogler nicht geblieben. Für Forschung und Versuche hat er weiträumig mit Forschungseinrichtungen zusammengearbeitet: EMPA Schweiz, ihd – Institut für Holztechnologie Dresden sowie Universitäten in Liverpool, Madrid, Hamburg und Freiburg waren und sind seine Partner.

Normung ist sinnvoll

Pool und Liege
Credit: MIRAKO

Die Produkte von MIRAKO (Mitteramskogler) sind mittlerweile mehr als vielfältig: spritzfeste Holzböden für Badezimmer, Umrahmungen für Pools, Böden für Balkone, Lärmschutzwände oder etwa Musikinstrumente, wie Oboen und Orgelpfeifen.

Noch mehr hat "Erfindergeist" Mitteramskogler auf Lager: etwa ein fertig entwickeltes Fassadensystem aus Holz mitsamt Unterbau.

Normen haben für ihn eine besondere Stellung: "Am Markt sind ähnliche Produkte aufgetaucht, die nicht die Qualität hatten, die wir lieferten. Ich sehe Normen als Schutz."

Um Klassen besser

Eiche, Buche oder Esche sind typische Laubhölzer, die durch das thermische Verfahren bei MIRAKO an Qualität gewinnen. Etwa nimmt die Dauerhaftigkeit, gemessen nach ÖNORM EN 351-2, beachtlich zu. Eine Güteklasse von 1 bis (schlechtestenfalls) 3 ist erreichbar.

Außerdem wird das Material durch Temperaturen über 160 Grad Celsius deutlich stabiler. "Durch die Hitze kommen OH-Gruppen weg, das Holz wird trockener, verliert an Volumen. Zugleich verändert sich seine Struktur, sodass Wasser sich nur noch äußerst schwer einbinden kann", erklärt Mitteramskogler.

Schädlingsresistent ohne Chemie

Miraqua
Credit: MIRAKO

Einen zweiten Trumpf hält das Produkt mit der Resistenz gegen Schädlinge in der Hand. Gewöhnliches Holz wird mit Lacken und Holzschutzmitteln gegen Bockkäfer, Bohrkäfer und Pilze behandelt.

Thermoholz kann ohne Chemieeinsatz die Prüftests bestehen. Kompakt wie Tropenholz, haben holzabbauende Pilze und Bakterien keinen Lebensraum mehr. Dazu kommt noch ein weiterer Umweltaspekt zum Stichwort Klimaschutz: Die Transportwege sind kurz.

Die Sache mit der Farbe

Für die Zukunft sieht Mitteramskogler noch Potenzial in der Normung. Vor allem eine Sache lässt ihn nicht los. "Die Farbe ist eindeutig mit der Holzqualität verknüpft", weiß er. Um diesen Zusammenhang zu normen, werden in den Hochtemperaturkammern Sensoren montiert. Bei ständiger Überwachung kann exakt eine bestimmte Holzqualität erzeugt werden.

Wann es dazu eine Norm geben soll, ist noch offen. Mitteramskogler hat viel Zeit und Geld in Forschung und Normung investiert. Was jetzt kommt, nach der Zeit des Säens? – Ernten! Thermoholz-Produkte des Gaflenzer Betriebs sind von Skandinavien bis Asien gefragt. Für die Qualität am Markt bürgen die Normen.