"Standards sind aus unserer Arbeit nicht wegzudenken"

Die steirische KWB steht für Innovation und Nachhaltigkeit in Sachen erneuerbarer Energie - auch dank ihres Engagements in der Normung.

KWB-Geschäftsführer Erwin Stubenschrott, Credit: KWB
KWB-Geschäftsführer Erwin Stubenschrott, Credit: KWB

Am Anfang stand die Vision von August Raggam. Für den Professor an der Technischen Universität Graz und "Gründungsvater" der Kraft und Wärme aus Biomasse GmbH (KWB) war klar, dass es für kommende Generationen auf der Erde nur dann eine lebenswerte Zukunft geben kann, wenn die Energieversorgung zu 100 Prozent auf erneuerbare Energie umgestellt wird. "Diese Vision war und ist unser Auftrag und sie ist auch Teil unseres Unternehmensleitbildes", sagt Mitgründer und KWB-Geschäftsführer Erwin Stubenschrott

Die Verbrennung von Biomasse spielt für den gelernten Schlosser und Biobauern Stubenschrott dabei eine wesentliche Rolle. Denn damit begann auch die Erfolgsgeschichte des steirischen Unternehmens. Schon in den 1970er Jahren entwickelte der Ökopionier Raggam Verfahren zur sauberen und effizienten Verbrennung von Biomasse und hob 1985 an der Technischen Universität Graz das Forschungsinstitut für alternative Energieerzeugung aus der Taufe.

KWB-Innovationszentrum, Credit: KWB
KWB-Innovationszentrum, Credit: KWB

Innovationsfreude zählt seit der Gründung im Jahr 1994 zu den Markenzeichen des Unternehmens. Neuerungen bei Biomasseheizungen kommen dementsprechend sehr häufig aus dem Hause KWB. Dazu kommt Begeisterung für die Sache.

Geschäftsführer Erwin Stubenschrott sieht in der richtigen Mischung aus Forschung und Praxis den Schlüssel zum Erfolg des Unternehmens. Folgerichtig hat KWB am Firmensitz in St. Margarethen an der Raab 2003 das KWB Kompetenzzentrum und 2006 das erste Forschungs- und Entwicklungszentrum für Biomasse eröffnet.

Standards erleichtern Innovationen

KWB-Forschungsleiter Dr. Alexander Weissinger. Credit: KWB
KWB-Forschungsleiter Dr. Alexander Weissinger. Credit: KWB

Das Innovationszentrum hat sich mittlerweile zu einem der führenden privatwirtschaftlichen Einrichtung seiner Art in ganz Europa entwickelt. 35 Expertinnen und Experten testen dort an 18 top-modernen Prüfständen bestehende Produkte und Neuentwicklungen.

"Jährlich investieren wir etwa zehn Prozent unseres Umsatzes in Forschung und in die Neu- und Weiterentwicklung unserer Produkte", berichtet Dr. Alexander Weissinger, der bei KWB für den Bereich Forschung verantwortlich ist. "Gerade bei neuartigen Produkten, wie wir sie entwickeln, ist es von großer Bedeutung, dass es technische Standards gibt."

Von KWB erdachte Innovationen, wie der Drehrostbrenner oder der vor Kurzem vorgestellte Raupenbrenner mit neuartiger Verbrennungstechnik, wären ohne Normen kaum realisierbar.

"Von den Material-, Sicherheitstechnik- und Prüfanforderungen für unsere Heizkessel über die sichere Brennstofflagerung bis zu den Größen des thermisch verwerteten Hackguts - Standards sind aus unserer täglichen Arbeit nicht wegzudenken", erklärt Weissinger.

Engagement aus Überzeugung

Der Erkenntnis folgend, dass, wer sich nicht an der Normung beteiligt, die Standards anderer einhalten muss, bringt sich KWB konsequent in die Normung ein. So fungierte KWB-Forschungsleiter Weissinger bei der Überarbeitung der ÖNORM EN 303-5 zu Heizkesseln für feste Brennstoffe als Convenor und leitete das zuständige europäische Normungsgremium bei CEN. Im Rahmen dieser Norm wurden auch wesentliche Rahmenbedingungen für die 2015 zu beschließende EU-Ökodesignrichtlinie mit grundlegenden Anforderungen an Festbrennstoffkessel erarbeitet.

Abgesehen von den Heizkesseln sind für die Innovationsschmiede KWB natürlich auch die technischen Standards für die Brennstoffe selbst und ihre sichere Lagerung von großer Bedeutung. So engagierte sich Weissinger auch im nationalen Spiegelkomitee von Austrian Standards, um auf Basis der ÖNORM M 7135 den Teil 2 der europäischen Pelletsnorm EN 14691 vorzubereiten, die ihrerseits vor Kurzem zur weltweit gültigen ÖNORM EN ISO 17225 "Biogene Festbrennstoffe - Brennstoffspezifikationen und -klassen, Teil 2: Klassifizierung von Holzpellets" weiterentwickelt wurde.

Damit die Presslinge aus naturbelassenem Holz auch bei Transport und Zwischenlagerung garantiert ein hochwertiger Brennstoff bleiben, sind in den nationalen ÖNORMEN M 7136 und M 7137 die entsprechenden Anforderungen an die Qualitätssicherung definiert.   

Regionale Rohstoffe

Dank des ISO-Standards zu den Brennstoffen ist für Unternehmen wie KWB nun auch der Eintritt in internationale Märkte einfacher. Auch dabei legt der steirische Leitbetrieb Wert auf Nachhaltigkeit wie etwa die Förderung von regional vorhandenen Rohstoffen.

So können die qualitativ hochwertigen Kessel und Brenner unterschiedliche Biomassen thermisch verwerten - neben Holzpellets etwa das als Chinaschilf oder Elefantengras bekannte Miscanthus, Weiden, Pappeln oder auch Maisspindeln.

In Spanien wurde vor kurzem eine Testreihe mit Olivenkernen abgeschlossen. Da sich all diese natürlich vorkommenden Rohstoffe hinsichtlich ihrer chemischen Bestandteile unterscheiden, müssen sie zur Verwendung als Brennstoff bestimmte Rahmenbedingungen erfüllen, die - basierend auf der ISO 17225 - z. B. in den ÖNORMEN C 4000 bis C 4003 festgelegt sind.

Dr. Karl Grün, Director Development bei Austrian Standards: "Das führt sehr eindrücklich vor Augen, wie sinnvoll es ist, sich als innovatives Unternehmen in der Normung zu engagieren - auch und gerade auf europäischer oder internationaler Ebene."

Energie- und Rohstoffzentrum als "Future-Lab"

Um das Verständnis für Energiegewinnung und Rohstoffe zu fördern, hat KWB an seinem Firmensitz in der Steiermark ein zukunftsorientiertes Energie- und Rohstoffzentrum (ZUERST) gegründet. In einem Energie-Schaugarten für Alternative Brennstoffe aus der Landwirtschaft werden dort auf einer Fläche von 23.000 m² Forschungsversuche zum Thema Energieholz, Agroforst und Humusaufbau durchgeführt.

Darüber hinaus zeigt die Einrichtung beispielhaft, wie sich Energiesouveränität in Regionen verwirklichen lässt: Mit regional vorhandenen Rohstoffen und durch den sinnvollen Einsatz optimal geeigneter Technologie. "ZUERST" ist Ausdruck der nachhaltigen und vorausschauenden Ausrichtung des Unternehmens und zieht jährlich Tausende Besucherinnen und Besucher an.

Bibliografie

ÖNORM EN 303-5 Heizkessel, Teil 5: Heizkessel für feste Brennstoffe, manuell und automatisch beschickte Feuerungen, Nenn-Wärmeleistung bis 500 kW – Begriffe, Anforderungen, Prüfungen und Kennzeichnung
ÖNORM M 7136 Presslinge aus naturbelassenem Holz - Holzpellets - Qualitätssicherung in der Transport- und Lagerlogistik
ÖNORM M 7137 Presslinge aus naturbelassenem Holz - Holzpellets - Anforderungen an die Pelletslagerung beim Endverbraucher
ÖNORM EN ISO 17225 Biogene Festbrennstoffe ¬ Brennstoffspezifikationen und -klassen; (7 Teile)
ÖNORM C 4000 Miscanthus Presslinge
ÖNORM C 4001 Miscanthushäcksel

Über KWB

Die Kraft und Wärme aus Biomasse GmbH (KWB) steht für innovative Premium-Heizlösungen. 1994 vom Biomasse-Pionier Dr. August Raggam gemeinsam mit dem Schlosser und Biobauern Erwin Stubenschrott gegründet, zählt das Unternehmen heute zu den führenden Anbietern von Pellet-, Stückholz- und Hackschnitzelheizungen in Europa. Am Firmensitz im steirischen St. Margarethen an der Raab sowie in den Tochtergesellschaften in Deutschland, Frankreich, Italien und Slowenien erwirtschafteten 2013 439 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen Jahresumsatz von rund 74 Millionen Euro. Rund 10 Prozent davon investierte KWB wieder in Forschung und Entwicklung. Zusätzlich beteiligt sich die Unternehmensgruppe, die sich der Nachhaltigkeit verschrieben hat, aktiv an der Entwicklung neuer Standards.