Frequentis AG: Mit Standards zum Weltmarktführer

Mit Standards zum Weltmarktführer

Frequentis Wien
Credit: Frequentis

Durchführung des Programms Mission Operations Voice Enhancement (MOVE) der NASA. Realisierung des ersten IP-Netzwerks für die Flugsicherung in Frankreich. Errichtung eines integrierten Kontrollzentrums für die London Metropolitan Police. Lieferung flugsicherungsspezifischer Kommunikationssysteme für Flugzeugträger der US Navy. Design und Installation eines integrierten Sprach- und Datenkommunikationssystems für die kanadische Küstenwache.

Die Auftragsbücher der österreichischen Frequentis AG lesen sich wie ein "Best of" der globalen Kommunikationsprojekte.

Mit einem Marktanteil von 30 Prozent ist das Wiener High-Tech-Unternehmen Weltmarktführer bei Sprachvermittlungssystemen für die Flugsicherung und im Bereich Aeronautical Information Management. Um als Anbieter von Kommunikations- und Informationslösungen im sicherheitskritischen Bereich derart erfolgreich zu sein, sind nicht nur großes technologisches Know-how, Innovationsfreude und unternehmerisches Talent notwendig, es bedarf auch zuverlässiger Standards.

"Für ein global tätiges Unternehmen wie die Frequentis AG wäre es schwierig, Produkte zu entwickeln, die mit anderen Systemen bzw. in die technische Infrastruktur der Kunden integriert werden müssen, wenn es keine Normen gäbe", sagt Stefan Arrocker, der bei Frequentis das Qualitätsmanagement leitet. "Das beginnt bei der mechanischen Verbauung von Komponenten und reicht über die für unseren Bereich extrem wichtigen Kommunikationsprotokolle bis zur Qualität der eingesetzten Managementprozesse."

Sicherheitsrelevante Control Center Solutions

Control Center Solutions
Credit: Frequentis

Frequentis designt, errichtet und wartet seit mehr als 65 Jahren sicherheitskritische Anwendungen, hauptsächlich in Form von sogenannten "Control Center Solutions". Dazu zählen Flugsicherungseinrichtungen, Leitstellen im Bahnverkehr, Kontrollzentralen für die Schifffahrt oder die Leitzentralen der Blaulichtorganisationen Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr aber auch militärische Kommandozentralen.

Um die dabei geforderte Informationssicherheit sowohl in der Organisation wie auch in den Produkten und Projekten zu gewährleisten, betreibt das Unternehmen ein zertifiziertes Informationssicherheits-Managementsystem nach ISO/IEC 27001. Zentrale Elemente sind dabei die lückenlose Analyse, Bewertung und Steuerung der Risiken.

Safety Management als Unternehmenskultur

Sicherheitsmodellierungen
Credit: Frequentis

"Bei Frequentis ist Safety Management ein elementarer Bestandteil der Prozesse – es erfordert ein hohes Maß an Sicherheitsbewusstsein bei jedem Mitarbeiter, bei jeder Mitarbeiterin, der bzw. die in der Produktentstehung mitwirkt. Die Auswirkung eines Fehlverhaltens unserer Produkte im operativen Betrieb kann mitunter kritisch sein. Um mögliches Fehlverhalten komplexer Systeme vorhersagen zu können, kommen entsprechende Sicherheitsmodellierungen zum Einsatz. Dadurch können wir in allen Phasen der Produkt- und Projektplanung, beim Design, bei der Entwicklung und Instandhaltung sämtliche Möglichkeiten zur Verbesserung von Sicherheit identifizieren, prüfen und evaluieren", erklärt Qualitätsmanager Arrocker.

Fast schon selbstverständlich, dass Frequentis auch nach den Standards ÖNORM EN ISO 9001 (Qualitätsmanagement) und ÖNORM EN ISO 14001 (Umweltmanagement) arbeitet und zertifiziert ist. Hinzu kommt eine Vielzahl von branchenspezifischen Standards, wie etwa EUROCAE Documents zur Standardisierung der Systeme in der Luftfahrt, an deren Entstehung Frequentis ebenfalls maßgeblich beteiligt war und ist.

Normen treiben Entwicklung und sichern Zukunft

Stefan Arrocker von Frequentis
Stefan Arrocker, Credit: Frequentis

Bei Frequentis vertraut man aus mehreren Gründen auf Regelwerke. "Auf Basis seiner Innovationskraft und technischen Expertise ist Frequentis bestrebt, aktiv Lösungsansätze in Standards und Regulativen zu verankern. Das 'Setzen von Standards' ist nicht nur ein gewaltiger Treiber in der Entwicklung, er gibt dem Frequentis-Kunden auch die Sicherheit seiner Investition in ein System der Zukunft", heißt es etwa im aktuellen Geschäftsbericht des Unternehmens.

"Natürlich verlangen viele Kunden bereits in den Ausschreibungen die Einhaltung spezifischer Standards. Die exakte Spezifikation der Anforderungen ist für eine erfolgreiche Zusammenarbeit extrem wichtig", erklärt Stefan Arrocker.

"Zu ausgewählten Normen konforme Prozesse und Produkte sind in vielen Märkten auch ein Alleinstellungsmerkmal und somit ein Wettbewerbsvorteil. Deshalb enthalten unsere Angebote meist auch Hinweise auf die verwendeten Standardsysteme und die entsprechenden Zertifikate, die wir halten."

Neuer ISO-Standard für Kundenbeziehungen

Seit Kurzem wirkt Frequentis auch an der internationalen Standardisierung von Managementprozessen mit. Im Technical Comittee 286 von ISO sind Vertreter des Unternehmens an der Definition eines Standards für das Management kollaborativer Geschäftsbeziehungen beteiligt. Die Initiative dafür ging von der British Standards Institution BSI aus, die mit dem Britischen Standard BS 11000 bereits über ein entsprechendes Regelwerk verfügt.

"Da die Frequentis AG ausgewählte Kundenbeziehungen nach dem BS-11000-Standard managt und die deren Anforderungen auch lebt, war es naheliegend, unser Know-how – sowohl in Österreich als auch auf internationaler Ebene – für die Ausarbeitung einer entsprechenden Internationalen Norm zur Verfügung zu stellen", erklärt Arrocker die zugrunde liegende Motivation.

Österreichisches Spiegelgremium

Vertreter von Frequentis bei AS
Stefan Arrocker und Christian Dorner von Frequentis mit Karl Grün von Austrian Standards

Mit dem neuen Standard, für das in Österreich das Komitee 129 "Qualitätsmanagementsysteme" bei Austrian Standards als nationales Spiegelgremium zuständig ist, sollen die relevanten Aspekte von kollaborativen Kundenbeziehungen geregelt werden – von der Wahl des richtigen Partners über die Formulierung und Dokumentation der Ziele bis hin zu einer möglichen Exit-Strategie.

Neben der Terminologie werden auch die Verfahren und Symbole in derartigen Qualitätsmanagement-Systemen und die Verfahren der Bearbeitung thematisiert. Für Frequentis einmal mehr eine Möglichkeit, die eigene Expertise in die Standardisierung einzubringen.

Denn, so Stefan Arrocker, "unsere Kunden verlangen zunehmend systematisierte Nachweise über den professionellen Umgang im Partner-Management. Das leben wir zwar bereits nach BS 11000, aber anhand einer entsprechenden ISO-Norm können wir international beglaubigt dokumentieren, dass wir auch dieses Thema erstklassig und auf aktuellem Stand des Wissens managen."

Über Frequentis

Die Frequentis AG entwickelt und vertreibt Kommunikations- und Informationssysteme für sicherheitskritische Lösungen in den Bereichen Air Traffic Management (zivile und militärische Flugsicherung, Luftverteidigung) und Public Safety & Transport (Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste, Schifffahrt, Bahn).

Das österreichische Hightech-Unternehmen ist Weltmarktführer bei Sprachvermittlungssystemen für die Flugsicherung und im Bereich Aeronautical Information Management. Im Jahr 2013 erwirtschaftete die Unternehmensgruppe mit mehr als 1 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weltweit eine Gesamtleistung von 195 Millionen Euro.

Zum Erfolg des Unternehmens trägt auch der systematische Einsatz Internationaler Standards bei. Die Frequentis AG hält zahlreiche Patente und beteiligt sich aktiv an der Normentwicklung.

Autor: Herbert Hirner