Bürgermeister mit reinem Gewissen

Normen sichern Qualität, bieten Schutz und geben Rechtssicherheit.

Als im März 2008 das Sturmtief "Emma" über Niederösterreich wütete, ereignete sich in St. Pölten ein tragischer Unfall: Eine 20 Meter hohe, alte Pappel stürzte durch den orkanartigen Wind um und krachte auf ein vorbeifahrendes BMW Cabrio. Die Beifahrerin starb, drei weitere Insassen - darunter ein kleines Kind - erlitten schwere Verletzungen. Als Besitzerin des Baumes wurde die Gemeinde St. Pölten zur Schadenshaftung verurteilt.

Bürgermeister Guggenbichler, Foto: © Gemeinde Absam
Arno Guggenbichler, Bürgermeister der Tiroler Gemeinde Absam, Foto: © Gemeinde Absam

"Kommunalarbeit ist mit großer Verantwortung für die Bürger und mit viel Risiko für die jeweilige Stadt oder Gemeinde verbunden. Als ich damals von dem tragischen Vorfall in St. Pölten gehört habe, veranlasste ich die Erstellung eines Baumkatasters in meiner Gemeinde", erzählt Arno Guggenbichler, Bürgermeister der Tiroler Gemeinde Absam.

Die ÖNORM L 1122 "Baumkontrolle und Baumpflege" empfiehlt so einen Baumkataster, in dem alle Bäume, die auf bewohntem und befahrbarem Gemeindegebiet stehen, eingetragen, auf Standfestigkeit überprüft und die Ergebnisse der regelmäßig durchgeführten Zustandskontrollen festgehalten werden sollten.

"Wir mussten damals nach der ersten Expertenbegutachtung mehr als zehn Prozent unserer rund 570 Bäume stark zurückschneiden, einen Teil sogar fällen, weil die Stämme bereits hohl und sehr morsch waren und somit eine akute Gefahrenquelle darstellten", so Guggenbichler weiter.

"Die zuständigen Gemeindearbeiter haben dann einen Kurs absolviert, und nun wissen sie ganz genau, worauf bei der Baumpflege zu achten ist, um das Gefahrenpotenzial zu minimieren. Dabei geht’s mir nicht vorrangig um die finanzielle Haftungsfrage, sondern für mich stellt sich vielmehr die Gewissensfrage", ergänzt der Ortschef. "Die Gemeindebürger verlassen sich darauf, dass wir Verantwortlichen das Bestmögliche tun, um ein sicheres und qualitätsvolles Leben in der Gemeinde zu gewährleisten. Dieses Vertrauen dürfen wir nicht missbrauchen."

Vom Kinderspielplatz, Foto: © Gemeinde Absam
Vom Kinderspielplatz ..., Foto: © Gemeinde Absam
bis zur Sporthalle, Foto: © Gemeinde Absam
... bis zur Sporthalle: in Absam achtet man auf die penibelste Einhaltung von Normen, Foto: © Gemeinde Absam
Absamer Haus für Senioren, Foto: © Gemeinde Absam
Die erste Pflegeeinrichtung Österreichs, die nach ÖNORM EN 15224 zertifiziert ist. Foto: © Gemeinde Absam

Die Sicherheit der 6 800 Gemeindebürger hat für den Absamer Gemeindechef oberste Priorität. Vom ausreichenden Schutz für Kinder in Betreuungseinrichtungen, Schulen oder auf Spielplätzen, über die optimale Ausleuchtung von Zebrastreifen bis zur Einhaltung von Qualitätsstandards beim Trinkwasser oder der Altenpflege - die Palette der Zuständigkeitsbereiche, für die er und sein Team verantwortlich zeichnen, ist groß.

"Natürlich bin ich dabei auf Expertenwissen angewiesen", gesteht Guggenbichler. "In Normen steckt geballtes Fachwissen, und sie sind somit eine wertvolle Unterstützung und praktische Begleiter bei der täglichen Kommunalarbeit. Wie sonst wüssten meine Mitarbeiter bzw. die von mir beauftragten Experten zum Beispiel, wie stark der Schutzweg in der Nacht beleuchtet sein muss, um Fußgänger für Autofahrer rechtzeitig sichtbar zu machen?" Auf penibelste Einhaltung von Normen achtet der Absamer Bürgermeister vor allem bei Ausschreibungs- und Beschaffungsverfahren sowie bei Planung, Bau und Instandhaltung von Kinderspielplätzen, Kindergärten und Schulen. ­­­

Besonders stolz ist die Gemeinde auf das Absamer Haus für Senioren - die erste Pflegeeinrichtung Österreichs, die nach der ÖNORM EN 15224 "Dienstleistungen in der Gesundheitsversorgung, Qualitätsmanagementsysteme" zertifiziert ist. In der ÖNORM EN 15224 finden sich alle Anforderungen der international gültigen Norm ISO 9001 (Qualitätsmanagementsysteme), verbunden mit gesundheitsspezifischen Ergänzungen hinsichtlich Risikomanagement und Patienten- bzw. Bewohnersicherheit.

"Die Einhaltung von Normen garantiert mir als Gemeindeoberhaupt, dass alles nach dem aktuellsten Stand der Technik abläuft und Sicherheits- sowie Qualitätsstandards zum Wohl der Bürger umgesetzt werden. Ohne das Normenpaket, das wir mit Unterstützung von Austrian Standards zusammengestellt haben, wäre es sehr schwierig, stets up to date zu sein, was den neuesten Stand der Technik angeht", betont Guggenbichler.

"Mit den für unsere Gemeinde relevanten Normen steht mir gesichertes Fachwissen zur Verfügung, wann immer es gebraucht wird. Für mich ist das Normenverzeichnis eine Art Gebetsbuch, Leitfaden und Kontrollinstanz für die Gemeindearbeit. Kaum jemand hat mehr Chefs als wir Bürgermeister. Egal, ob beim Bau von Gemeindegebäuden oder in der Verwaltung - in Absam wird unsere Arbeit von 6 800 Augenpaaren beobachtet. Da wird darauf geschaut, ob alles mit rechten Dingen zugeht. Die Gemeindebürger lassen sich nicht mit Lippenbekenntnissen abspeisen. Transparenz und Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen sind gefragt. Mithilfe von Normen ist eine lückenlose Dokumentation möglich und sie geben uns Entscheidungsträgern die Sicherheit, sorgfältig und korrekt zu handeln", resümiert Guggenbichler. 

Mehr Information zu Anwendung von Normen im kommunalen Bereich

Bibliografie

ÖNORM L 1122 Baumkontrolle und Baumpflege
ÖNORM EN 15224 Qualitätsmanagementsysteme - EN ISO 9001:2015 für die Gesundheitsversorgung
ÖNORM EN ISO 9001 Qualitätsmanagementsysteme - Anforderungen (ISO 9001:2015)