WM 2018: Fußball ist nicht Fußball und Grün ist nicht Grün

Die ganze Welt liegt wieder einmal im Fußballfieber. Am 14. Juni 2018 beginnt das Riesenspektakel, doch welche Regeln sorgen unbemerkt im Hintergrund dafür, damit alles glatt läuft? Viel Können, verbunden mit ein bisschen Glück und Zufall, entscheiden über Sieg oder Niederlage. Was die Sicherheit der Zuschauerinnen und Zuschauer, der Spieler sowie Fairness in puncto Spielbedingungen angeht, wird jedoch nichts dem Zufall überlassen.

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 beginnt am Donnerstag, den 14. Juni, mit dem Spiel von Gastgeber Russland gegen Saudi-Arabien. 64 Spiele werden ausgetragen, am 15. Juli wird ein neuer Weltmeister gekürt. Österreich ist leider nicht dabei, fiebert aber trotzdem vor den heimischen Bildschirmen mit.

Überblick über die wichtigsten Fußball-Standards:

Schiedsrichterpfeife

Wie kommt es, dass die Tore immer dieselbe Größe haben? Wie stabil sind die Torpfosten in den großen Stadien? Wieso muss der Fußballrasen eine Wurzellänge von mindestens zehn Zentimetern haben? Weshalb brechen die Sitze im Stadion auch bei größter Belastung nicht zusammen?
"Einfach deshalb, weil es dafür länderübergreifende Standards gibt. Und diese sind in Normen festgelegt", erklärt Dr. Karl Grün, Director Development von Austrian Standards. "Verschiedene Interessengruppen kommen zusammen, um diese Standards zu vereinbaren. Bevor der Ball vom Fuß des Fußballers ins Tor katapultiert wird, passiert er mehr als ein halbes Dutzend Normen", betont Grün und gibt einen Überblick über die wichtigsten Fußball-Standards:

Schienbeinschützer eines Fußballers bei einer Grätsche.

Schienbeinschützer

Im Zweikampf geht der Mittelfeldspieler zu Boden. Der Verteidiger behauptet, dass er auf den Ball losgegangen ist. Oder hat er auf das Schienbein des gegnerischen Spielers gezielt? Ist der Schienbeinschützer stark genug, um einer Attacke standzuhalten? Wenn er der ÖNORM EN 13061 entspricht, hat der Spieler nur einen Bluterguss. Tests garantieren maximale Sicherheit. Bei einem Tritt darf ein Schienbeinschützer um höchstens 15 mm verrutschen oder eine höchstens 25 mm große Delle aufweisen!

Torwart fängt einen Ball

Handschuhe

Ohne gute Handschuhe könnte selbst der beste Tormann den Ball nur schwer halten. Wenn die Verteidiger den Ball nicht abwehren können, ist der Tormann die letzte Rettung. Er muss alles tun, um dafür zu sorgen, dass der Ball nicht ins Netz geht. Dabei kann er sich aber nicht bloß auf seine eigene Kraft, Wendigkeit und schnellen Reflexe verlassen.

Gute Handschuhe entsprechen der EN 16027. Nach dieser Norm dürfen die Handschuhe selbst unter erheblicher Krafteinwirkung um höchstens 20 mm verrutschen, so dass sie nie von den Händen gleiten können. Außerdem müssen sie verhindern, dass die Finger nach oben oder das Handgelenk zu weit nach hinten gebogen werden.

Fußballtor

Fußballtor

Der Schiedsrichter hat geurteilt: Elfmeter. Der Tormann spürt den Druck. Es liegt nun allein an ihm. Die Fans schreien auf, als der Schuss gegen die Latte donnert. Und - jawohl, sie hält! Wenn die Torlatte der EN 748 entspricht, gibt sie beim Auftreffen des Balls nur um höchstens 1 cm nach. Das Netz ragt oben mindestens 80 Zentimeter nach hinten, auf Bodenhöhe 1,5 Meter. Nach der Norm muss das Tor 7,32 m x 2,44 m groß sein.

Begrenzung Coachingzone

Naturrasen oder Kunstrasen?

Einige bevorzugen Kunstrasen, während andere meinen, dass man Fussball nur auf Naturrasen spielen kann. Bei der WM 2018 verfügt die Hälfte aller 12 Stadien über einen Hybridrasen, der durch Kunstfasern verstärkt wird. Den Experten zufolge sollten die Halme am besten 23 mm hoch sein. Aber wie wird das gemessen? Wenn alles normgerecht ablaufen soll, kommt die Europäische Norm EN 12233 zur Anwendung. Sie enthält ein Verfahren für die Ermittlung der Grashöhe. Es wird ein Spezialwerkzeug eingesetzt, welches im Wesentlichen aus einem Messstab besteht, auf dem eine runde, bewegliche Scheibe montiert ist. Gemessen wird der Abstand zwischen der auf dem Boden angesetzten Spitze des Stabs und der auf den Halmen aufliegenden Scheibe.

Ball WM 2018

Ball ist nicht gleich Ball

Der WM-Ball hat sich seit den 70er Jahren stetig weiterentwickelt. Nicht nur das äussere Design, auch veränderte Herstellungstechniken und Materialien entscheiden über ein vollkommen unterschiedliches Spielverhalten. Grip, Stabilität, Aerodynamik, das alles wurde in den vergangenen Jahren ständig verbessert. So ist der Telstar 18 WM-Ball mittlerweile ein echtes High-Tech-Produkt. Der offizielle Spielball enthält einen integrierten NFC-Chip (near field communication), der es den Fans ermöglicht, via Smartphone personalisierte Daten abzurufen und mit dem Ball zu interagieren.

Ein WM-Ball muss den strengen Anforderungen für Fussbälle entsprechen. Die Europäische Norm EN 12235 legt z.B. Prüfverfahren fest, unter anderem für das Aufspringverhalten der Bälle. Wenn ein Ball aus einer Höhe von 2 Meter auf eine Betonfläche fällt, darf er nur maximal 1,35 Meter hochspringen. Deshalb kann er niemals einfach so über einen Torwart hüpfen.

Stadionsitze

Stadionsitze

Das Moskauer Olympiastadion Luschniki fasst nach dem Umbau 81.000 Zuschauer. Laut EN 13200-4 muss der Abstand eines jeden Sitzes in einer Reihe zum entsprechenden Sitz in der Reihe davor mindestens 30 cm betragen. Das ist zwar nicht unbedingt ideal, aber sobald alle sitzen, zählt ohnehin nur mehr das Match. Welche Regeln gelten sonst noch für die Bestuhlung? Gemäß der Norm müssen die Sitze einem Gewicht von 2 000 kg standhalten und mindestens 40 cm tief und 50 cm breit sein.

Beleuchtung im Fußballstadion

Beleuchtung

Rund um das Spielfeld werden unzählige Kameras in Stellung gebracht. Denn auch die Fans vor den TV-Geräten wollen alles ganz genau sehen. Dass das Spielfeld gut ausgeleuchtet sein muss, liegt auf der Hand, aber die Norm EN 12193 enthält auch Einzelheiten über die für Fernsehkameras erforderliche Beleuchtung. Ihr zufolge muss es in dem Bereich, in dem die Kameras aufgestellt sind, 0,25-mal heller sein als auf dem Spielfeld.

Doch zu viel des Lichts darf es auch nicht geben. Streuwirkungen von Licht können Menschen, die rund um ein Stadion wohnen, stören: In der Norm ist nachzulesen, bei welchem Wettbewerb welche Lichtstärken erlaubt sind und in welcher Umgebung - Wohngebiet, Natur oder Großstadt - welche Lichtmenge etwa über den Horizont der Scheinwerfer hinausströmen darf.

Nachhaltiges Veranstaltungsmanagement

Für die Verantwortlichen der WM 2018 bedeutet dieser Grossevent nicht nur sorgfältige und umfassende Planung, damit er reibungslos und gefahrlos über die Bühne geht und wirtschaftlich ein Erfolg wird. Mehr und mehr ist es notwendig, auch die Folgen während und nach den Veranstaltungen miteinzubeziehen. Denn Großereignisse können auch negative Auswirkungen haben - auf die Umwelt oder auf Einrichtungen und Menschen in der unmittelbaren Umgebung: hohe Abfallmengen, zertrampelte Grünflächen, Beschädigungen im öffentlichen Raum, Lärmbelastung für Anwohner, Staus und erhöhter Schadstoffausstoss bei An- und Abreise.

All das gilt es schon bei der Planung zu berücksichtigen. Die FIFA verweist in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie auf diese Internationale Norm ISO 20121 "Nachhaltiges Veranstaltungsmanagement - Anforderungen mit Anleitung zur Anwendung" hin und unterstützt so die Verantwortlichen. Weitere Normen, welche die FIFA in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie erwähnt, betreffen Themen wie Social Responsibility (ISO 26000) sowie Risikomanagement (ISO 31000).

Bibliographie

ÖNORM EN 13061 Schutzkleidung - Schienbeinschützer für Fußballspieler - Anforderungen und Prüfverfahren
ÖNORM EN 16027 Schutzkleidung - Handschuhe mit Schutzwirkung für Fußballtorwarte
ÖNORM EN 748
Spielfeldgeräte - Fußballtore - Funktionelle und sicherheitstechnische Anforderungen, Prüfverfahren
ÖNORM EN 12233 Sportböden - Bestimmung der Schnitthöhe bei Naturrasen
ÖNORM EN 12235 Sportböden - Bestimmung der Ballreflexion
ÖNORM EN 13200-4 Zuschaueranlagen - Teil 4: Sitze - Produktmerkmale
ÖNORM EN 12193 Licht und Beleuchtung - Sportstättenbeleuchtung
ÖNORM ISO 20121 Nachhaltige Veranstaltungsmanagementsysteme - Anforderungen mit Anleitung zur Anwendung