Ab ins kühle, saubere Nass!

Die Badesaison wird im Mai eröffnet

Die Temperaturen steigen, das Badevergnügen naht. Für viele Österreicherinnen und Österreicher stehen Badegewässer im Mittelpunkt ihres Sommerurlaubs. Dafür, dass das erfrischende Vergnügen auch unbeschwert bleibt, sorgen entsprechende Standards.

Die ersten Sommerbäder haben schon geöffnet, bei steigenden Temperaturen laden auch die heimischen Seen und Flüsse zum Schwimmen, Planschen und Schnorcheln ein. Ob an der Alten Donau, am Wörthersee oder am Bodensee: Worauf die Badegäste vertrauen können, ist die hohe Qualität ihrer Seen und Flüsse.

In Europa müssen diese die Anforderungen der Badegewässerrichtlinie 2006/7/EG  erfüllen. Jeweils vor Beginn der Badesaison veröffentlicht die Europäische Kommission dazu jedes Jahr einen Qualitätsbericht.

Laut EU-Richtlinie gilt als "Badegewässer" jeder Abschnitt eines Oberflächengewässers, bei dem mit einer großen Zahl von Badenden zu rechnen ist und an dem das Baden von den zuständigen Behörden ausdrücklich gestattet oder nicht untersagt ist. "Oberflächengewässer" sind alle an der Erdoberfläche stehenden und fließenden Gewässer mit Ausnahme von Schwimmbiotopen.

Beurteilung mittels ausgewählter Hygieneparameter

Zur Überwachung der Wasserqualität sind an den sogenannten "Badestellen" entsprechende Proben zu ziehen. Dies sind nach dem Bäderhygienegesetz, mit dem die EU-Richtlinie in Österreich umgesetzt wurde, jene Stellen in Badegewässern, an denen die meisten Badenden erwartet werden oder an denen nach dem Badegewässerprofil mit der größten Verschmutzungsgefahr zu rechnen ist.

Die entnommenen Proben werden in der Folge von qualifizierten Fachlabors untersucht. Dabei kommen bestimmte Hygieneparameter zum Einsatz. Als Indikatoren für fäkale Verunreinigungen dienen die Darmbakterien Escherichia coli und intestinale Enterokokken. Sie können Hinweise auf eine mögliche Gewässerbelastung, insbesondere durch Abwässer oder Abschwemmungen aus der Tierhaltung, geben. Die Badestellen werden danach beurteilt, ob die vorgeschriebenen Grenzwerte eingehalten werden.

Ausgezeichnete Qualität österreichischer Badegewässer

Nach dem Badegewässerbericht für das Jahr 2015 halten 99,6 Prozent der 266 untersuchten österreichischen Badestellen die strengen EU-Vorgaben ein, 90,2% hatten eine ausgezeichnete Wasserqualität. Insgesamt wurden 265 österreichische Badegewässer, davon 259 Badestellen an Seen und sechs an Flüssen, beurteilt.

Detaillierte Informationen über die österreichischen Badegewässer finden Sie in der von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) geführten Badegewässerdatenbank.

Aktuelle Norm regelt auch Badeteiche

Von der Badegewässerrichtlinie nicht erfasst werden derzeit allerdings die in Österreich besonders beliebten Baggerseen, Schotter- und Ziegelteiche, von denen es einige hundert gibt.

"Wegen ihrer geringen Größe waren die vielen Badeteiche bislang von keiner Regelung erfasst", erklärt Dr. Wolfgang Zoufal von den Labors für Umweltmedizin der Wiener Magistratsabteilung 39 im 8. Bezirk. "Da sie aber zum Baden genutzt werden - manche von bis zu 1 000 Gästen am Tag - gehören sie untersucht."

Die neue ÖNORM M 6230 'Badegewässer - Anforderungen an die Wasserqualität, Untersuchung und Bewertung', die voraussichtlich Mitte Juni 2015 erscheint, liefert dafür den normativen Rahmen", erklärt der Wasserhygieniker. "Sie fasst die drei Vorgängerdokumente zusammen, stellt die grundsätzliche Eignung eines Gewässers für Badezwecke fest und definiert Untersuchungsmethoden und Bewertungskriterien".

Gewässerprofil laut ÖNORM M 6230

"Ein Badegewässer sollte möglichst nährstoffarm sein und möglichst geringe anthropogene Belastungen aufweisen", beschreibt Dr. Manfred Pum von der NUA Umweltanalytik GmbH die Ausgangslage. Vom Menschen verursachte Belastungen sind ein erhöhtes Risiko für das Vorhandensein von übertragbaren Krankheitserregern.

Um dem vorzubeugen, empfiehlt die ÖNORM, ein Gewässerprofil zu erstellen, damit der Zustand und auch etwaige Risikofaktoren, wie Einträge und Verschmutzungen, langfristig beobachtet werden können. "Welche Informationen das Gewässerprofil mindestens zu beinhalten hat, ist in der ÖNORM M 6230 definiert", unterstreicht der Vorsitzende der zuständigen Arbeitsgruppe bei Austrian Standards den Nutzen der neuen ÖNORM.

Naturnahes Baden daheim

Wer über das nötige Kleingeld und genug Platz verfügt, kann sich auch einen Schwimmteich oder einen Naturpool in den eigenen Garten bauen lassen. Die Anforderungen an Planung, Bau, Betrieb und - falls notwendig - Sanierung beschreibt die ÖNORM L 1128.

Damit es dabei zu keinen unerwarteten Missverständnissen kommt, empfiehlt sich vorab ein Blick in die Werkvertragsnorm zu Gartengestaltung und Landschaftsbau (ÖNORM B 2241).

Sicherer Spaß im Freibad

Und auch wer es gerne geselliger mag und sich sommers ins Freibad begibt, darf sicher sein, dass der technische State of the Art für unbeschwertes Badevergnügen sorgt. Denn zu Planung, Bau und Betrieb des Lieblings-Schwimmbades müssen die Betreiber die zweiteilige ÖNORM EN 15288 anwenden. Die ideale Beschaffenheit des Wassers in künstlichen Freibädern ist in der ÖNORM M 6215 nachzulesen.

Und selbst falls ein Badegast in Seenot gerät, ist professionelle Hilfe auf hohem Niveau garantiert: Auch wenn nicht Pamela Anderson oder David Hasselhoff zu Hilfe eilen: Das Bäderpersonal, das den Badebetrieb beaufsichtigt, die Badegäste betreut und die technischen Anlagen überwacht, ist nach der ÖNORM S 1150 ausgebildet und geprüft.

Und last but not least - auch bei Spielgeräten im Wasserbereich ist die notwendige Sicherheit gewährleistet: Die ÖNORM S 4720 garantiert ein Höchstmaß an Sicherheit bei ungetrübtem Badespaß.

In diesem Sinn: Der Sommer kann kommen!

Bibliografie

ÖNORM M 6230 Badegewässer - Anforderungen an die Wasserqualität, Untersuchung und Bewertung
ÖNORM L 1128 Schwimmteiche und Naturpools, Anforderungen an Planung, Bau, Betrieb und Sanierung
ÖNORM B 2241 Gartengestaltung und Landschaftsbau – Werkvertragsnorm
ÖNORM EN 13451 Schwimmbadgeräte;
Teil 1: Allgemeine sicherheitstechnische Anforderungen und Prüfverfahren
Teil 2: Zusätzliche besondere sicherheitstechnische Anforderungen und Prüfverfahren für Leitern, Treppenleitern und Griffbögen
ÖNORM EN 15288 Schwimmbäder;
Teil 1: Sicherheitstechnische Anforderungen an Planung und Bau
Teil 2: Sicherheitstechnische Anforderungen an den Betrieb
ÖNORM M 6215 Anforderungen an die Beschaffenheit des Wassers von Hallenbädern und künstlichen Freibädern 
ÖNORM S 1150 Anforderungen an die Ausbildung von geprüftem Bäderpersonal