Der sozialen Qualität von Bauwerken auf der Spur

Das Wohlbefinden der Bewohner und andere nachhaltige Faktoren rücken in den Fokus.

Wien (AS prm, 04.12.2014)

Gut, wenn sich Menschen in Gebäuden geborgen und sicher fühlen. © iStockphoto LP

Als "Gesamtheit der charakteristischen Eigenschaften einer Sache oder einer Person" definiert der Duden den Begriff Qualität. Wesentlich weiter geht naturgemäß die Qualitätsmanagementnorm ISO 9001. Was Qualität ist, wie sie definiert und letztlich bewertet wird, hängt aber im Wesentlichen von der jeweiligen Aufgabenstellung ab.

Umso wichtiger sind dabei klar definierte Verfahren und Methoden, um sicherzustellen, dass Ergebnisse schlüssig, nachvollziehbar und auch vergleichbar sind. Das gilt ganz besonders bei Aussagen über die Qualität von Bauwerken. Dabei geht es nicht nur um Planung, verwendete Materialien und Ausführung allein, sondern zunehmend auch um Nachhaltigkeitskriterien, wobei neben ökologischer und ökonomischer auch die soziale Qualität von Bauwerken in den Vordergrund tritt.

Um die soziale Dimension bewerten zu können, wurde die Europäische Norm EN 16309 entwickelt, die mit 15. November 2014 als ÖNORM herausgegeben wurde. Sie stellt unter Berücksichtigung von Funktionalität und technischen Merkmalen eines Gebäudes spezielle Verfahren und Anforderungen für die Bewertung der sozialen Qualität bereit.

Die Norm kann auf alle Arten von Gebäuden, neue ebenso wie bereits bestehende, angewendet werden und berücksichtigt dabei folgende Kategorien:

  • Zugänglichkeit,
  • Anpassungsfähigkeit,
  • Gesundheit und Behaglichkeit,
  • Auswirkungen auf benachbarte Bereiche,
  • Instandhaltung sowie
  • Sicherheit und Schutz.

Die Kategorien "Materialbeschaffung und Dienstleistungen" sowie "Einbindung der Interessensgruppen" sollen später noch hinzukommen.

Gütestufen, Klassen oder Richtwerte für die Qualität sind darin jedoch nicht vorgegeben. Dies können in anderen Regelwerken, etwa in Vorgaben des Bauherrn oder des nationalen Gesetzgebers, festgelegt werden.

Die Norm beschränkt sich somit auf

  • die Beschreibung des Bewertungsgegenstands,
  • die Systemgrenze, die auf die Gebäudeebene anwendbar ist,
  • eine Auflistung der Indikatoren sowie Verfahren zu deren Anwendung,
  • die Darstellung der Ergebnisse in Berichterstattung und Kommunikation,
  • die für die Anwendung notwendigen Daten
  • und die Verifizierung.

Wesentlicher Unterschied bei der Bewertung der sozialen Qualität - im Vergleich zu ökonomischen und umweltbezogenen Aspekten - ist die Tatsache, dass dabei sowohl ein quantitativer als auch ein beschreibender Ansatz erforderlich sind.

Bibliografie

ÖNORM EN 16309 Nachhaltigkeit von Bauwerken - Bewertung der sozialen Qualität von Gebäuden - Berechnungsmethoden
ÖNORM EN 15643 Nachhaltigkeit von Bauwerken - Bewertung der Nachhaltigkeit von Gebäuden; Teile 1 - 4