Starke Auswirkungen der neuen chinesischen Normungsstrategie auf europäische Exportwirtschaft

Schwierige Recherche neuer chinesischer Branchen- und Verbandsstandards, aber einfachere Zulassungsverfahren für europäische Produkte durch Abschaffung von lokalen gesetzlichen Technik-Normen zugunsten von in ganz China geltenden sowie internationalen Standards

Wien (AS prm, 06.05.2019)
Betty XU beim Business Breakfast zu China

Betty XU beim Business Breakfast zu China

Die Neue Seidenstraße sei eine gute Initiative für ein exportorientiertes Land wie Österreich, sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz beim Forum Seidenstraße in Peking Ende April. Der Ausbau der Handelsbeziehungen und Exporte nach China ist ohne Erarbeitung und Einhaltung nationaler und internationaler Standards heute nicht vorstellbar. Standards definieren Produkteigenschaften, Schnittstellen zu anderen Produkten, deren Qualität und auch, wie diese überprüft wird.

China hat die Bedeutung der Entwicklung von international anerkannten technischen Standards zum Ausbau der Handelsbeziehungen erkannt und 2018 sein Normungssystem auf neue Beine gestellt. In der gesetzlichen Regelung zur Normungsstrategie wird als Ziel genannt, "die Qualität von Produkten zu erhöhen und Verbesserungen in der Industrie zu beschleunigen".

Über die wirtschaftlichen Auswirkungen des Einflusses Chinas auf die internationale Standardisierung diskutierten am Mittwoch, dem 30. April bei einem Business Breakfast 60 Gäste mit hochrangigen China-Experten. Eingeladen dazu hat Austrian Standards International in Kooperation mit dem Österreichischen Verband für Elektrotechnik (OVE) und der Austrian Chinese Business Association (ACBA).

Christian Gabriel, Leiter des Bereichs Normung im OVE: "China hat sehr lange beobachtet, wie die Standardisierung funktioniert. Der Einfluss chinesischer Experten ist exponentiell gestiegen. Im Bereich Elektrotechnik ist China mittlerweile weltweit führend, was die Anträge auf neue technische Standards betrifft."

Umgekehrt ist die Anerkennungsrate von Europäischen und Internationalen (IEC- und ISO-)Standards in China immer noch verhältnismäßig gering. "Chinesische Branchenstandards - nicht immer öffentlich zugänglich - sind schwer zu durchforsten und können für heimische Firmen, die nach China exportieren wollen, Hürden darstellen", hielt Elisabeth Stampfl-Blaha, Direktorin von Austrian Standards, fest.

Hürde Branchenstandards - doch einfachere Recherche nationaler chinesischer Standards

Betty Xu ist abgeordnete Sachverständige der Europäischen Kommission, EFTA und der Europäischen Normungsorganisationen CEN, CENELEC und ETSI für den Bereich Standardisierung in China, kurz SESEC. Die Expertin betonte, dass das gemeinsame Ziel der EU und China die Verstärkung der Kooperation ist. Seit 2018 erfuhr das chinesische Normungssystem einen Ruck hin zu einer Freiwilligkeit bei der Erfüllung von Standards und weg von gesetzlich verpflichtenden Normen. Die Folge seien einflussreiche, von chinesischen Berufs- und Branchenverbänden festgelegte Industriestandards, ähnlich wie in den USA.

"Manchmal kommt man erst im Rahmen eines Zertifizierungsverfahrens in China darauf, welche Standards im Rahmen der außergesetzlichen Selbstverpflichtung 'vorgeschrieben' sind, z.B. im U-Bahn-Bau", sagte Xu. Das könne bei europäischen Firmen für unangenehme Überraschungen sorgen. Der Vorteil im Vergleich zu früher wäre, so Xu, dass viele nur lokal gültige oder sektorielle Branchenstandards, die nur in manchen Städten oder Provinzen gesetzlich verpflichtend waren, zu nationalen Standards, die in ganz China gelten, zusammengefasst wurden. "Verpflichtende staatliche nationale Standards als Voraussetzung für den Marktzugang sind nun einfacher zu finden. Und die Zulassungsverfahren sind so leichter zu bewältigen", erklärte Xu.

Wissensaustausch über geltende Standards als wichtige Voraussetzung für Neue Seidenstraße

Mehr als 50 Mrd. Euro hat China seit 2013 im Rahmen des Investitionsprogramms Neue Seidenstraße investiert. Damit der Ausbau des hochrangigen Straßennetzes und der Eisenbahn vorankommt, wurden 400 chinesische Eisenbahnstandards ins Englische übersetzt. Im Transportwesen - aber auch im Bereich künstliche Intelligenz, Automatisierung sowie Informations- und Kommunikationstechnologie - treibt China die Harmonisierung von Standards zwischen China, der EU und anderen Wirtschaftsräumen voran, sagte der chinesische Botschaftsrat für Wirtschaft und Handel, Xingle Gao.

Seit einem Jahr fährt die ÖBB im Güterverkehr die Schienenstrecke Chengdu - Wien und brächte chinesische Güter 20 Tage schneller nach Europa als auf dem Seeweg. "Doch manchmal, eigentlich oft, fährt der Zug von Wien leer zurück. Wir sollten uns Gedanken machen, wie das von österreichischen Unternehmen genutzt werden kann", ermutigte der Handelsdelegierte heimische Unternehmen zum Warenexport.

Georg Zanger, Präsident der Austrian Chinese Business Association (ACBA), sieht eine nachhaltige Entwicklung der Handelbeziehungen in jenen Bereichen, in denen Standards eine große Rolle spielen: "Es ist eine Aufbruchstimmung da. Elektromobilität, Umweltschutz, Windenergie und Photovoltaik - hier besteht in China sehr großes Interesse, mit österreichischen Unternehmen zusammenzuarbeiten."

Die Seidenstraße darf keine Einbahnstraße sein, heißt es übereinstimmend. Botschaftsrat Xingle Gao: "Wir haben wegweisende neue Technologien eingeführt. Österreich gehört im Bereich Hochtechnologie zu den wichtigen Partnern. Wir wollen, wie Deutschland oder Österreich, zu den entwickelten Volkswirtschaften gehören."

Standards wären Ausdruck eines Multilateralismus, einer vielfach verknüpften Weltwirtschaft mit geöffneten Märkten. Zu offenen Märkten bekennen sich China und die EU gleichermaßen. Dies seien gute Voraussetzungen für die Ausweitung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit.

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