ÖNORM-Standards geben Sicherheit bei Outdoor-Aktivitäten

Wie man mit Risiken bei Adventure-Angeboten umgeht, wurde mit Hilfe von Standards gelöst

Wien (AS prm, 20.06.2018)
v.l.: Christian Thiessen, Ing. Andreas Piskorz, Michael Ocvirk (AG-Leiter), Mag. Michaela Ehgartner (Stv. Leiterin), Dr. Angelika Schäffer, Jürgen Steinbrecher

v.l.: Christian Thiessen, Ing. Andreas Piskorz, Michael Ocvirk (AG-Leiter), Mag. Michaela Ehgartner (Stv. Leiterin), Dr. Angelika Schäffer, Jürgen Steinbrecher

Trekking, Mountain Biking, Rafting oder Skifahren - in Österreich gibt es ein breites Angebot für Outdoor- und Adventure-Aktivitäten. Doch gibt es auch geeignete Standards, wie man mit Risiken umgeht? Diese Frage haben sich Michael Ocvirk und Michaela Ehgartner der Yukon e.U. gestellt.

2016 wurde eine Arbeitsgruppe bei Austrian Standards gegründet, weitere Expertinnen und Experten konnten für die Mitarbeit gewonnen werden. In knapp drei Jahren sind wichtige ÖNORM-Standards entstanden. Diese wecken nun auch europäisches Interesse.

In Österreich gibt es sowohl für den Sommer wie auch für den Winter verschiedenste Möglichkeiten im Outdoor- und Adventure-Bereich. Jede Aktivität bringt ein eigenes Risikopotenzial mit sich, erfordert einmal mehr, einmal weniger Hilfsmittel. Tools, mit denen Risiken strukturiert betrachtet werden können, haben jedoch gefehlt. Die beiden Outdoor-Profis Michael Ocvirk und Michaela Ehgartner wollten dieses Problem lösen.

"Startschuss war die Diskussion bei einer Sicherheitskonferenz im Juni 2016. Wir haben uns mit Expertinnen und Experten aus den verschiedensten Bereichen - wie z.B. Risiko, Pädagogik, Versicherung oder Haftung - darüber unterhalten, wie viel Sicherheit der Outdoor-Sektor braucht. Schnell wurde klar, dass wir Standards dafür entwickeln sollten", erzählt Michael Ocvirk, Inhaber der Yukon e.U.

Michaela Ehgartner, Leiterin der Yukon-Akademie, ergänzt: "Unser Ziel war es, die Sicherheit für Teilnehmende, Trainerinnen und Trainer, Guides und Veranstalter zu erhöhen. Vor allem Teilnehmende sollen darauf vertrauen können, dass Sicherheit und Qualität inbegriffen sind, sei es nun bei einer Ski-Tour oder im Seilpark."

Mehr Sicherheit bei der Auswahl der passenden Outdoor-Aktivitäten

Yukon e.U. wurde 2010 gegründet und bietet Business Trainings im Outdoor- und Adventure-Bereich an. Es geht um Personal- und Organisationsentwicklung sowie Teamentwicklung und Leadership. Das Konzept ist das sog. "Deeper Learning" - Erfahrungen, die im Freien gemacht werden, können direkt im eigenen Arbeitsbereich angewendet werden.

"Die Einflussfaktoren für Outdoor-Maßnahmen sind vielfältig. Wie wird das Wetter? Wie ist das Gelände beschaffen? Welche Ausbildung sollte ein Guide haben? Wie ist bei welchem Notfall zu reagieren?" beschreibt Michael Ocvirk die ersten Überlegungen.

Josef Winkler, der für das Thema zuständige Komitee-Manager bei Austrian Standards, wurde auf die Idee angesprochen. Noch 2016 wurde die Arbeitsgruppe 252.18 "Riskmanagement für Outdoor-Unternehmen" gegründet. Sie war von Anfang an interdisziplinär zusammengesetzt. So sollten verschiedenste Perspektiven einfließen.

Herausgekommen sind bis jetzt zwei ÖNORM-Standards für Outdoor-Veranstaltungen/-Aktivitäten und für die Ausbildung von Trainerinnen und Trainern/Guides. Ein dritter ÖNORM-Standard zum Thema "Offroad" ist in Arbeit.

Die Standards helfen Unternehmen, die Outdoor-Aktivitäten durchführen, Risiken zu minimieren und für mehr Kontinuität im Notfall zu sorgen. Versicherungen können anhand der Risikoklassen zielgerichteter agieren, Bildungsinstitute leichter entscheiden, welches Angebot z.B. für Schülerinnen und Schüler geeignet ist.

Teambuilding à la Normung

Die Entwicklung von Standards war für die Arbeitsgruppe 252.18 Neuland. Wie war es, ins vermeintlich kalte Wasser zu hüpfen? Michaela Ehgartner erinnert sich: "Josef Winkler hat wichtige Tipps zur Herangehensweise gegeben. Er war ein guter Coach. Viele unserer Kolleginnen und Kollegen wollten sofort dabei sein. Wir waren sehr motiviert, besonders wenn wir wieder einen Schritt im Normungsprozess weitergekommen sind. Da hat uns die Infografik sehr geholfen, in der die einzelnen Phasen der Normung erklärt werden."

"Unser Anspruch war es, bodenständige Standards zu entwickeln. Sie sollen auch für KMU anwendbar sein. Deshalb gibt es viele Checklisten. Die Phasen der öffentlichen Stellungnahmen waren sehr wichtig, weil nochmals Input von außen gekommen ist. Das hat gegen Betriebsblindheit geholfen. In der Arbeitsgruppe sind wir ein tolles Team geworden", fassen Michael Ocvirk und Michaela Ehgartner die letzten Monate zusammen.

Über den Tellerrand - Interesse aus anderen Branchen und Europa

Das positive Feedback bestärkt die Arbeitsgruppe darin, auf dem richtigen Weg zu sein. Mittlerweile haben sich Telekommunikations- und Technologieanbieter gemeldet und gefragt, wie sie mit Technologien unterstützen können. Es gibt auch Interesse von Gemeinden und aus Nachbarländern, wie Deutschland, Kroatien oder Ungarn. So könnte schon bald aus einer österreichischen Initiative ein europäischer Standard werden.

Bibliografie

ÖNORM S 2417 Adventure- und Outdooraktivitäten
Teil 1: Anforderungen an Organisation und Sicherheit
Teil 2: Anforderungen an die Qualifikation von Trainern und Guides - erscheint mit 1. Juli 2018
Teil 3: Anforderungen an die Qualifikation von Trainern und Guides von Offroad-Fahrtechnik-Veranstaltungen - ist in Erarbeitung

Ansprechpartner bei Austrian Standards

Josef Winkler

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Josef Winkler

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