Meilensteine

Normung ist Teil der menschlichen Kultur. Seit jeher haben Menschen versucht, ihren Alltag, ihre Arbeit durch Vereinheitlichung und Standardisierung zu erleichtern.

Die Normung, wie wir sie heute kennen und nutzen, ist ein Kind der Industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts. Warenaustausch, steigender Handel mit Industrieprodukten, die Entwicklung des Verkehrswesens und immer neuer Maschinen haben Vereinheitlichung und damit Rationalisierung gefördert und gefordert.

1901 wurde als erstes nationales Normungsinstitut die British Standards Institution gegründet, 1917, mitten im Ersten Weltkrieg, entstand in Deutschland das DIN.

Die junge Republik Österreich begann 1920.

Ein Blick auf die Meilensteine der österreichischen Normung in ihrem europäischen und internationalen Kontext in den Jahren:

1. Meilensteine 1920-1938

  • 1920 - Konstituierende Sitzung des "Österreichischen Normenausschusses für Industrie und Gewerbe" Ö.N.I.G. am 23. September 1920. Erster Präsident des Vereins: Prof. Wilhelm Exner. Die ersten 13 Fachausschüsse mit 400 Experten nehmen ihre Arbeit auf. Schwerpunkte sind Maschinenbau, Elektrotechnik und Kraftfahrzeugbau.
  • 1921 - Die erste ÖNORM erscheint. Sie regelt metrische Gewinde.
  • 1926 - Gründung der International Federation of the National Standardizing Associations ISA. Die Idee, Normen weltweit nach einem einheitlichen Verfahren zu entwickeln, wird damit erstmals realisiert.
  • 1932 - Der Name Ö.N.I.G. wird in "ÖNA Österreichischer Normenausschuß" geändert. Der Personalstand umfasst vier Personen. Sie betreuen pro Jahr 142 bis 275 Ausschuss-Sitzungen. Zwischen 40 und 60 Normen werden fertiggestellt.
  • 1938 - Das Ende der Ersten Republik bedeutet auch das Aus für die selbstständige österreichische Normungsarbeit. Der ÖNA geht in das DIN über und fungiert als dessen Außenstelle in Wien. Das österreichische Normenwerk umfasst zu diesem Zeitpunkt 693 Dokumente.

2. Meilensteine 1945-1969

  • 1945 - Mit dem Wiedererstehen der Republik Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg nimmt der Österreichische Normenausschuß ÖNA die Normungsarbeit wieder auf. Innerhalb von zwei Jahren werden 50 Normenausschüsse für die wichtigsten Wirtschaftssparten eingerichtet. Von besonderer Bedeutung sind in der Zeit des Wiederaufbaus die Baunormen.
  • 1946 - Gründung der Weltnormenorganisation ISO. Der ÖNA ist Gründungsmitglied und engagiert sich von Anfang an in der Internationalen Normung. Dennoch orientiert sich die Normung in allen Staaten vorwiegend an nationalen Bedürfnissen.
  • 1954 - Das Bundesgesetz über das Normenwesen schafft den rechtlichen Rahmen für die Normungsarbeit in Österreich und unterstreicht die Bedeutung eines bundesweit einheitlichen Normenwerks. Die Tätigkeit des ÖNA hat damit eine gesetzliche Basis.
  • 1961 - Gründung des Europäischen Komitees für Normung CEN unter Beteiligung Österreichs. Dies ist die Geburtsstunde der Europäischen Normung, die heute mehr denn je bestimmender Faktor aller Normungstätigkeit ist.
  • 1969 - Der ÖNA ändert seinen Namen in "ON Österreichisches Normungsinstitut".

3. Meilensteine 1971-1989

  • 1971 - Neufassung des Normengesetzes, das bis Ende 2015 den rechtlichen Rahmen für die Tätigkeit von Austrian Standards Institute bildet.
  • 1985 - Die Europäische Normung erhält eine neue, für die Zukunft Europas zentrale Bedeutung. Die Europäische Union beschließt den "New Approach" (Neue Konzeption) und wertet damit die Europäische Normung wesentlich auf: EU-Richtlinien enthalten ab diesem Zeitpunkt nur mehr grundlegende Anforderungen (Sicherheit, Gebrauchstauglichkeit, Schutz von Gesundheit, Umwelt etc.). Die Detailregelungen erfolgen durch Verweis auf harmonisierte Europäische Normen. Diese werden in den Komitees der Europäischen Normungsorganisationen CEN und CENELEC (Elektrotechnik) auf der Basis von Mandaten (Aufträgen) der EU und der EFTA erarbeitet.
  • 1986 - Normen erweisen sich zunehmend als Lösung von Umweltfragen. Österreichische Experten leisten hier europaweite Pionierarbeit.
  • 1987 - Die erste Ausgabe der Internationalen Normenreihe zum Qualitätsmanagement, ISO 9000, erscheint. Damit sind erstmals auch Managementmethoden Thema der Normung.
  • 1988 - Für den Bereich Telekommunikation wird eine eigene europäische Organisation ins Leben gerufen: Das European Telecommunications Standards Institute ETSI wird gegründet. Einer seiner erfolgreichsten Standards (GSM) trägt zum Siegeszug des Mobiltelefons bei und sichert den europäischen Vorsprung dieser Technologie.

4. Meilensteine 1990-1996

  • 1990 - Europa ist das zentrale Thema in der Normung. Immer mehr Europäische Normen werden in die nationalen Normenwerke übernommen und ersetzen nationale Dokumente. Damit werden Handelshemmnisse zwischen den EU- und EFTA-Mitgliedsstaaten abgebaut.
  • 1991 - die Europäische und die Internationale Normungsorganisation – CEN und ISO – stellen ihre Zusammenarbeit auf eine neue Basis. Im Österreichischen Normungsinstitut in Wien unterzeichnen sie das "Vienna Agreement". Damit werden Parallelarbeiten und Doppelgleisigkeiten auf europäischer und internationaler Ebene vermieden. Gemeinsam entwickelte Europäische und Internationale Normen tragen die Bezeichnung EN ISO.
  • 1995 - Österreich tritt (gemeinsam mit Schweden und Finnland) der Europäischen Union bei. In der Europäischen Normungsgemeinschaft ist Österreich bereits seit 1961 durch das Normungsinstitut vertreten und arbeitet aktiv in zahlreichen Komitees mit.
    75-Jahr-Feier im Schloss Belvedere. Bundespräsident Klestil bezeichnete Normen als das "Rückgrat der Gesellschaft in unserer modernen Welt": "Die Königsidee der Normungsinstitute war und ist es, dass die notwendigen Standards nicht von oben herab dekretiert und erzwungen werden, sondern dass sie aus dem lebendigen Dialog all derer entstehen, die an Normierungen ein vitales Interesse haben."
  • 1996 - Als weltweit erste Normungsorganisation wird Austrian Standards Institute nach ISO 9001 zertifiziert. Alle Prozesse der Organisation entsprechen den Anforderungen der Norm und sind darauf ausgerichtet, Bedürfnisse und Erwartungen der Kunden bestmöglich zu erfüllen.
  • Gründung des CEN Sales Point. Das Austrian Standards Institute übernimmt den weltweiten Vertrieb von Publikationen, die vom CEN Management Center herausgegeben werden.

5. Meilensteine 1997-1999

  • 1997 - CEN hält seine jährliche Vollversammlung auf Einladung von Austrian Standards Institute in Wien ab. Präsentation des Kalender- und Ausstellungsprojekts "Norm & Form" zum Thema Normung und Design, das 1998 auch in Brüssel gezeigt wird.
  • 1998 - Veröffentlichung der ersten ON-Regeln (ONR). Mit diesen normativen Dokumenten wird dem Bedürfnis der Wirtschaft nach Regelwerken Rechnung getragen, die flexibler und rascher als klassische Normen erstellt werden können.
    Die Abteilung Consulting organisiert ab 1998 Beratungs- und Schulungsmaßnahmen für Organisationen, Unternehmen und Behörden in verschiedenen Teilen der Welt. Die Projekte – vor allem in Mittel- und Osteuropa – werden überwiegend aus EU-Förderungen finanziert.
  • 1999 - Neue Bereiche entdecken die Möglichkeiten der Normung. Vor allem der Dienstleistungssektor nutzt das Instrument konsensbasierter Dokumente für seinen Regelungsbedarf. Beispiele sind die Ausbildung von Freizeittauchern, Anforderungen an die Dienstleistungsqualität von Übersetzern oder Call Centern. Die österreichischen Arbeiten bilden oft die Grundlage für europäische und internationale Lösungen. Erste Dienstleistungsnorm ist ÖNORM D 1000 (Anforderungen an Kunsttransporte).
    Veröffentlichung der zehntausendsten ÖNORM: ÖNORM EN 71-1 über die Sicherheit von Spielzeug. Das österreichische Normenwerk umfasst mit Ende des Jahrtausends genau 10.594 Dokumente.

6. Meilensteine 2000-2005

  • 2000 - Erstmals werden Dienstleistungen auf Normkonformität zertifiziert. Damit trägt Austrian Standards auch auf der Zertifizierungsebene der wachsenden Bedeutung der Normung im Dienstleistungssektor Rechnung.
  • 2001 - Die moderne Informations- und Telekommunikationstechnologie unterstützt auch die Entwicklung von Standards und Normen. Austrian Standards Institute führt den so genannten "Elektronischen FNA" (heute "my Committee") ein. Arbeitsdokumente, Sitzungsprotokolle und wichtige Informationen werden den Experten in den Komitees auf eigenen, mit Passwort geschützten Internetseiten bereitgestellt. Das sichert kurze Informationswege und rasche Bearbeitung der Normen.
    "10 Jahre Vienna Agreement": Dieses 1991 bei Austrian Standards Institute in Wien unterzeichnete Kooperationsabkommen zwischen dem Europäischen Komitee für Normung CEN und der Internationalen Normungsorganisation ISO sorgt für mehr Effizienz in der Normungsarbeit und verhindert Parallelarbeiten auf europäischer und internationaler Ebene. Spitzenvertreter von CEN und ISO ziehen in Wien Bilanz und beraten über die weitere Entwicklung des Abkommens.
  • 2002 - Zusätzlich zur Zertifizierung nach ISO 9001 unterzieht sich das Normungsinstitut einem Assessment nach dem Standard SQS 9004. Es bestätigt der gesamten Organisation ein hohes Maß an "Business Excellence" in allen Bereichen.
  • 2003 - Im Vorfeld der EU-Erweiterung mit 1. Mai 2004 – insgesamt zehn Staaten treten der Europäischen Union bei – wächst auch die Europäische "Normungsgemeinschaft": Ende 2003 sind alle nationalen Normungsorganisationen der Beitrittsländer Vollmitglieder des Europäischen Komitees für Normung CEN. Damit umfasst CEN 28 Mitglieder (neben den 25 EU-Staaten auch die drei EFTA-Länder Schweiz, Island und Norwegen).
  • 2005 - Die Welthandelsorganisation WTO bezeichnet in ihrem "World Trade Report 2005" die Internationale Normungsorganisation ISO sowie ihre Partner IEC und ITU als die wichtigsten Organisationen bei der Setzung freiwilliger Übereinkommen auf Konsensbasis.
    Das Normungsinstitut lädt unter dem Motto "come ON – norm & more" zu einem Informationstag und verleiht den ON-Medienpreis für hervorragende publizistische Leistungen zum Thema "Normung und Gesellschaft".

7. Meilensteine 2006-2013

  • 2006 - Das Österreichische Normenwerk umfasst mehr als 18 000 Dokumente, mehr als drei Viertel davon sind europäischen Ursprungs.
  • 2007 - Mit dem EU-Beitritt Rumäniens und Bulgariens (1. Jänner 2007) hat die Europäische Union nun 27 Mitglieder. In der Europäischen Normung (CEN und CENELEC) sind insgesamt 30 Staaten durch ihre nationalen Normungsorganisationen vertreten.
    Zum Weltnormentag 2007 (Sonntag, 14. Oktober) lädt das Normungsinstitut zur "come ON 2007 – family & friends". Mehr als 500 Personen nutzen die Gelegenheit zu einem Einblick in die Welt der Normen.
  • 2008 - Das Österreichische Normungsinstitut gründet die "Austrian Standards plus GmbH". Dieses Tochterunternehmen ist verantwortlich für die Bereiche Verkauf & Service, Aus- und Weiterbildung sowie Zertifizierung. Entsprechend dem Motto "More than just Standards" bietet die Austrian Standards plus GmbH Mehrwert und innovative Lösungen rund um Normen.
    Das Normenwerk umfasst Ende 2008 erstmals mehr als 20.000 Dokumente.
  • 2009 - Mit Jahresbeginn wird die neue Customer Area im Eingangsbereich des Gebäudes in der Heinestraße 38 eröffnet. Kunden und Besuchern steht damit ein neues Begegnungs- und Beratungszentrum rund um Normen und Standards zur Verfügung.
    Das Österreichische Normungsinstitut tritt ab April 2009 als "Austrian Standards Institute" auf. Der Namenswechsel trägt der weiter wachsenden internationalen Ausrichtung der Aktivitäten Rechnung.
  • 2012 - Für seine Kunden - Teilnehmende an der Normung aus dem In- und Ausland, Besucher von Seminaren und Lehrgängen etc. errichtet Austrian Standards in seinem Gebäude auf rund 1.200 m² ein neues Meeting Center. Das neue Tagungszentrum wird von Bundespräsident Heinz Fischer eröffnet.
  • 2013 - Der Verein Austrian Standards Institute und sein Tochterunternehmen Austrian Standards plus GmbH treten offiziell unter der gemeinsame Dachmarke „Austrian Standards“ auf.