Erläuternde Informationen zu ÖNORMEN

1. ÖNORM – Verpflichtung oder Empfehlung?

ÖNORMEN sind Empfehlungen. Es steht grundsätzlich frei, ob und in welchem Umfang eine ÖNORM angewendet wird. Freilich kann man die Einhaltung von ÖNORMEN in Verträgen vereinbaren. Nur in wenigen Einzelfällen sind Normen in Gesetzen, Verordnungen oder Bescheiden vorgeschrieben.

Siehe: MeinNormenRadar

2. Was heißt MUSS? Was heißt SOLLTE?

In ÖNORMEN kommen die Verben müssen oder sollten vor. Der Unterschied:

Will ein Anwender nachweisen, dass sein Produkt, seine Dienstleistung etc. einer ÖNORM entspricht, sind durch „muss“ oder (negativ) „darf nicht“ in der ÖNORM bezeichnete Anforderungen zu erfüllen.

sollte“ oder (negativ) „sollte nicht“ ist eine weiterführende Empfehlung und beschreibt eine (von mehreren) Möglichkeiten – ohne andere zu erwähnen oder sie auszuschließen. Ein Produkt, eine Dienstleistung etc. entspricht auch dann einer Norm, wenn man es anders macht, als man es „sollte“.

3. Wie lässt sich nachweisen, dass etwas einer ÖNORM entspricht?

Dass ein Produkt, eine Dienstleistung oder ein Verfahren den Anforderungen entspricht, wie sie in einer ÖNORM festgelegt sind, lässt sich nachweisen durch:

  • den Hersteller oder Dienstleister selbst („First Party“, Selbsterklärung),
  • den Nutzer oder Auftraggeber der Leistung („Second Party“, Lieferantenbewertung) oder
  • eine unabhängige Stelle („Third Party“, Zertifizierung).

Welche Form des Nachweises gewählt wird, ist freigestellt und nicht Thema der ÖNORM.

4. Wie kommt es zu ÖNORMEN?

Am Anfang steht ein Problem, das durch die Erarbeitung von Standards – im überwiegenden Teil von Europäischen und/oder Internationalen Standards (EN, ISO) – gelöst werden kann/soll. Wenn dieser Bedarf besteht, kann man sich an eine Normungsorganisation wie Austrian Standards International A.S.I. wenden, um den Prozess auf europäischer/internationaler/nationaler Ebene in Gang zu setzen. Vor Beginn der Arbeiten wird in einer Umfrage erhoben, ob bei den Stakeholdern ausreichend Interesse besteht.

Informationen zu den einzelnen Schritten, die notwendig sind, um eine Norm zu erarbeiten, finden Sie unter Standards aktiv mitgestalten.

Die Entwicklung rein nationaler ÖNORMEN und die Mitarbeit an Europäischen und Internationalen Normen sind in der Geschäftsordnung von A.S.I. geregelt.

5. Wer macht ÖNORMEN?

An Europäischen, Internationalen und rein österreichischen Normen können und sollen alle Unternehmen und Organisationen mitarbeiten, die Interesse an einem bestimmten Thema haben. Wirtschaft, Verwaltung, Verbraucherinnen/Verbraucher, Wissenschaft, Prüfstellen, Interessensvertretungen – um nur einige zu nennen – entsenden Fachleute in die Normungskomitees bei Austrian Standards. Welche Organisationen und Unternehmen darin vertreten sind und an ÖNORMEN mitarbeiten, erfahren Sie auf der Website von Austrian Standards beim jeweiligen Normungskomitee.

Grundsätzlich kann jede Organisation bzw. fachkundige Person, die Interesse hat, direkt an den Arbeiten des zuständigen Normungskomitees mitwirken und so rein österreichische Normen erarbeiten, aber in erster Linie an der Entwicklung Europäischer Normen (EN) und/oder Internationaler Normen (ISO) mitwirken.

Wer nicht direkt in einem Komitee mitarbeitet, kann

  • Vorschläge für ÖNORM-Projekte kommentieren;
  • Kommentare zu ÖNORM-Entwürfen abgeben;
  • jederzeit Erfahrungen und Verbesserungsvorschläge zu gültigen ÖNORMEN einbringen;
  • einen Antrag auf Mitarbeit im Komitee stellen.