Wiener Abkommen mit Zukunft: 30 Jahre Vienna Agreement

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12.10.2021

Vor 30 Jahren wurde in Wien das globale Wirtschaftsleben neu gestaltet: Mit dem „Vienna Agreement“ stellten sich die Weichen in der internationalen Standardisierung noch stärker auf „enge Zusammenarbeit“. Was sich dadurch geändert hat? Weniger Handelsbarrieren, einheitliche Regeln und mehr Raum für Innovationen. Unter dem Titel „From global to local: Joining forces to help global standards create local impact“ trafen sich die Spitzen der internationalen Standardisierungsorganisationen wie CEN und ISO am 11. Oktober erneut in Wien, um die internationale Zusammenarbeit weiter zu forcieren.

© Inge Funke

Vor 30 Jahren wurde in Wien das Vienna Agreement unterzeichnet. Das Ziel: sicherzustellen, dass europäische und internationale Normen einander nicht widersprechen, sondern möglichst weitgehend übereinstimmen. Das Motto: “One standard, one test – accepted everywhere“. Seither hat sich viel getan. Dank des Abkommens können sich Unternehmen auf weltweit einheitliche Ansätze zur Verbesserung der Qualität von Produkten und Prozessen verlassen – in der Industrie gibt es einheitliche Regelungen zur Messung, Prüfung und Quantifizierung von Treibhausgasemissionen – Eltern dürfen darauf vertrauen, dass die Verpackungen von Medikamenten kindersicher sind – Health-App-Nutzer können auf klare Sicherheitsniveaus beim Datenschutz bauen und Maschinenhersteller einheitliche Standards für den weltweiten Export von Traktoren nutzen.

Vorteile im Alltag, im Wirtschaftsleben und beim Klimaschutz

„Seit den 1980er-Jahren zeichnete es sich klar ab: Markthemmnisse lassen sich besser durch einheitliche Standards abbauen. Der Ruf nach einer Harmonisierung des europäischen und des internationalen Normenwerks wurde lauter. Mit dem Vienna Agreement wurde dafür gesorgt, dass die Standards für den europäischen Binnenmarkt nicht losgelöst von der internationalen Standardisierung entwickelt werden“, beschreibt Austrian-Standards-Direktorin Elisabeth Stampfl-Blaha den historischen Einfluss des Abkommens. „Mit dem Vienna Agreement, das im Juni 1991 bei uns im House of Standards and Innovation in der Heinestraße unterzeichnet wurde, wurde der Grundstein für die Zusammenarbeit der Internationalen Organisation für Normung ISO und der Europäischen Organisation für Normung CEN gelegt und der Austausch zwischen den beiden großen Standardisierungs-Organisationen effizienter gestaltet. Davon profitieren wir alle – im Alltag, im Wirtschaftsleben und auch bei globalen Herausforderungen wie dem Klimaschutz – noch heute.“

Standards: Gemeinsame Sprache, gemeinsames Ziel – jede dritte Europäische Norm ident mit ISO-Norm

Das zeigt sich auch bei den Zahlen: Jede dritte Europäische Norm ist heute bereits ident mit einer ISO-Publikation. Anfang der 1990er-Jahre waren es noch 178, mittlerweile sind es 5.500 Publikationen, an denen Fachleute beider Organisationen zusammenarbeiten und so Doppelgleisigkeiten vermeiden können. Dazu ISO-Präsident Eddy Njoroge: „Die Zahlen belegen, dass das Vienna Agreement ein leistungsstarkes Instrument ist, das harmonisierte – also einheitliche – Standards in einem breiten Spektrum von Bereichen hervorgebracht hat – von der Landwirtschaft über das Gesundheitswesen bis hin zu Tourismus, Verkehr und noch vielen weiteren Sektoren. Es ist schwer vorstellbar, wie ambitionierte internationale Vorgaben, wie beispielsweise die Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung, ohne etliche Standards, die im Rahmen dieses Kooperationsabkommens ausgearbeitet wurden, verwirklicht werden könnten. Ein gutes Beispiel dafür ist die Normenreihe ISO 14064 über die Messung von Treibhausgasen und die CO2-Bilanz. Sie stellt sicher, dass bei der Festlegung von Zielen und der Berichterstattung alle dieselbe Sprache sprechen, sodass wir zusammen auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten können. Ganz generell bilden internationale Standards, einschließlich der im Rahmen des Vienna Agreement angenommenen Normen, ein wesentliches Fundament, auf dem nationale Standards aufbauen sollten, da sie auf einem internationalen Konsens beruhen und international als Best Practice anerkannt sind.“

Anhaltende Impulse für die Wirtschaft: von Energieeffizienz bis künstliche Intelligenz

Ganz generell geschieht Standardisierung mittlerweile zu mehr als 90 Prozent auf internationaler Ebene und ist damit zur globalen Aufgabe geworden. Die Arbeit in nationalen Normungsorganisationen wie von Austrian Standards hat sich dementsprechend gewandelt. In vielen Bereichen arbeiten Fachleute aus Österreich in sogenannten Spiegelgremien zu Themen, die später in europäischen oder internationalen Standards eingebracht werden.

CEN-Präsident Vincent Laflèche ergänzt: „Das Vienna Agreement sorgt seit 30 Jahren dafür, dass in verschiedensten Bereichen weltweit dieselben Regeln gelten und regelmäßig entscheidende Impulse für den rasch wachsenden europäischen Binnenmarkt gesetzt werden. Es hat nicht nur zum Bürokratieabbau beigetragen, sondern auch die Verbreitung neuer Ideen vorangetrieben – beispielsweise durch die EN ISO 5001 im Bereich der Energieeffizienz – oder in strategischen Sektoren für ein einheitlich hohes Sicherheitsniveau gesorgt – wie etwa durch die allgemeinen Grundsätze für die Sicherheit von Maschinen, die von CEN und ISO gemeinsam entwickelt worden sind und bei der Herstellung von Maschinen breite Anwendung finden. Auch in puncto Digitalisierung haben CEN und ISO zusammen Standards für Cybersicherheit oder die Auswirkung von künstlicher Intelligenz auf Maschinen entwickelt, die für die Bewältigung künftiger Herausforderungen sowie für die sichere und reibungslose Einführung neuer Technologien im Maschinensektor unabdingbar sein werden.“

30 Jahre Vienna Agreement: Jubiläums-Konferenz am 11. Oktober in Wien

Anlässlich des Jubiläums veranstalteten Austrian Standards International – Standardisierung und Innovation (A.S.I.), die Internationale Organisation für Normung (ISO) und das Europäische Komitee für Normung (CEN) am 11. Oktober 2021 eine gemeinsame Konferenz in Wien. Unter dem Motto „From global to local: Joining forces to help global standards create local impact“ ging es dabei um Best Practices, wie internationale Standards und regionale Besonderheiten so miteinander abgestimmt werden können, dass auch zukünftig keine Handelshemmnisse oder abgeschotteten Märkte entstehen.

Die Impulse aus der Podiumsdiskussion und den Spotlight Interviews sollten den Dialog fördern, neue Synergien schaffen und als „Frühwarnsystem“ mögliche Schwierigkeiten für bestimmte Wirtschaftsräume rechtzeitig aufzeigen. Eine fortführende Veranstaltungsreihe dazu ist in Planung. Hochrangige Vertreterinnen und Vertreter von ISO, CEN, CENELEC und ETSI waren persönlich in Wien, um sich über bisherige Erfahrungen und zukünftige Strategien auszutauschen. Zahlreiche Gäste aus aller Welt waren online zugeschaltet.

Bilder zum Download

Gruppenfoto vlnr: Eddy Njoroge (Präsident ISO), Elisabeth-Stampfl-Blaha (Direktorin Austrian Standards), Vincent Lafleche (Präsident CEN)

Gruppenfoto: Die Vortragenden bei der Jubiläumskonferenz „From global to local: Joining forces to help global standards create local impact“ sowie die Geschäftsführung von Austrian Standards vlnr: Scott Steedman (BSI), Valerie Höllinger (Austrian Standards), Elisabeth-Stampfl-Blaha (Austrian Standards), Sergio Mujica (ISO), Eddy Njoroge (ISO), Dany Sturtewagen (CENELEC), Iuliana Chilea (ASRO), Elena Santiago Cid (CEN/CENELEC), Vincent Lafleche (CEN), Anton Ofner (Austrian Standards), Ruggero Lensi (CEN)

© Inge Funke

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