Trinkwasser: Gründlich spülen, bevor der Betrieb wieder losgeht

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29.05.2020

In vielen Gebäuden ist während der Corona-Maßnahmen das Wasser über Wochen in den Leitungen gestanden. Austrian Standards gibt praktische Tipps, wie die Wasserhygiene bis zur Inbetriebnahme wieder gewährleistet werden kann.

In den österreichischen Gemeinden wird nun wieder die Infrastruktur Schritt für Schritt hochgefahren, darunter auch viele Gebäude, die sich in kommunaler Verwaltung befinden. Es gilt nun unter anderem Kindergärten, Schulen oder Veranstaltungszentren, die wegen der Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie geschlossen wurden, wieder startklar zu machen. Auch Einkaufszentren, Büroräumlichkeiten, Hotels, Restaurants, Shoppingcenter oder Sportstätten waren von dieser nicht vorhersehbaren Betriebsunterbrechung betroffen.

Die Wiederaufnahme des Betriebs bedeutet in den kommenden Tagen und Wochen viel Arbeit für die Facility Manager sowie die Verantwortlichen in den Rathäusern und Gemeindeämtern. Ein besonderes Augenmerk muss dabei auf die einwandfreie Hygiene des Trinkwassers gelegt werden. Nachdem die Pandemie-Maßnahmen Mitte März rasch ergriffen wurden und daher in den Kommunen auch schnell umgesetzt werden mussten, konnten zahlreiche Gebäude nicht gemäß der ÖNORMEN außer Betrieb genommen werden. Mit der Folge, dass Wasser vielfach wochenlang in den Leitungen gestanden ist und sich möglicherweise Biofilme und Ablagerungen bilden oder Korrosionen auftreten konnten.

Mikrobiologisch nicht einwandfreies Trinkwasser kann zu unterschiedlichen Erkrankungen bis hin zu Lungenentzündungen führen. Das stellt vor allem für Personen mit einem geschwächten Immunsystem – also für jene Menschen, die auch zur Risikogruppe für Covid-19 zählen - ein nicht zu unterschätzendes Gesundheitsrisiko dar. Daher gilt es jetzt, überall vor der Wiederöffnung und neuerlichen Inbetriebnahme durch entsprechende Maßnahmen die Wasserqualität sicherzustellen, damit aus allen Wasserleitungen auch gesundheitlich unbedenkliches Trinkwasser fließt.

In Österreich regelt die Trinkwasserverordnung (TWV) die Anforderungen für Trinkwasserqualität: „Wasser muss geeignet sein, ohne Gefährdung der menschlichen Gesundheit getrunken oder verwendet zu werden“, heißt es in der Verordnung. Darüber hinaus gibt es nationale Standards, die eine Hilfestellung bei der Umsetzung der gesetzlichen Anforderungen geben. Für zentrale Trinkwassererwärmungsanlagen ist dies die ÖNORM B 5019:2020, für dezentrale Anlagen, wie zum Beispiel  Untertisch- Warmwasserbereiter – gibt der Normentwurf ÖNORM B 5021:2020 Empfehlungen hinsichtlich des Betriebs, der Überwachung und Sanierung, damit die entsprechende mikrobiologische Wasserqualität erzielt und auch erhalten werden kann.

Worauf müssen die Betreiber kommunaler Einrichtungen also achten?

„Aufgrund des Stillstandes können vorhandene Mikroorganismen verstärkt Biofilme gebildet haben. Diese sollten möglichst aus dem System gespült werden“, betont Dr. Arno Sorger, Vorsitzender des zuständigen Komitees 140 „Wasserqualität“ bei Austrian Standards. Bei Anlagen, deren Warmwasserbereiter weiterhin in Betrieb geblieben ist, gilt es zunächst, allfällige Ablagerungen aus dem Boiler zu entfernen, indem man den Bodenablasshahn öffnet und den unteren Teil des Boilers mitsamt eventuell abgesetzten Ablagerungen ausspült. Dann ist der Boiler aufzuheizen. Gemäß ÖNORM B 5019 müssen es mindestens 60 Grad sein. Es wird aber empfohlen, das Wasser sogar bis auf 70 Grad aufzuheizen und das System damit gleich zu desinfizieren. Jetzt sind alle Armaturen schrittweise zu spülen, auch jene von Duschen. „Bei dieser thermischen Desinfektion sollte man bei allen Auslässen das Wasser zunächst voll aufdrehen“, empfiehlt Sorger. Ist die Temperatur einmal erreicht, genügt es, das Wasser bis auf einen dünnen Strahl herunterzudrehen und es für mindestens drei Minuten weiter laufen zu lassen. Nach dem Spülen des Warmwassers, ist auch das Kaltwassersystem, ebenfalls durch Aufdrehen bei allen Auslässen, für mehrere Minuten zu spülen.

Wenn das System einmal gründlich mit fließendem Wasser gereinigt ist, dürfen die Strahlregler an den Wasserauslässen nicht vergessen werden. Denn auch dort sammeln sich Ablagerungen an, wenn über einen längeren Zeitraum kein Wasser durchfließt. Sorger empfiehlt, die Perlatoren gleich komplett auszutauschen, wenn man auf Nummer sicher gehen will. „Man sollte dabei auch nicht auf die Duschköpfe vergessen und bei dieser Gelegenheit vielleicht auch gleich die Duschschläuche wechseln“, so Sorger.

Bei größeren Gebäuden sollten die Verantwortlichen auf jeden Fall ausreichend Zeit für die Reinigung des Wassersystems einplanen, bevor dieses wieder in Betrieb genommen werden kann. „Das kann schon einmal zwei bis drei Tage in Anspruch nehmen“, weiß Sorger. Wenn bei der Wiederinbetriebnahme der öffentlich genutzten Gebäude in den Gemeinden diese Schritte eingehalten werden, dann kann es vom Kindergarten bis zum Sportverein bald wieder bedenkenlos heißen: „Wasser marsch!“.

Medienkontakt
Niklas Jelinek, Head of Public Relations

Niklas Jelinek

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