Es begann in Wien vor 20 Jahren
Die Zusammenarbeit der Europäischen und der Internationalen Normung wurde im Juni 1991 mit dem in Wien unterzeichneten Vienna Agreement auf eine auch heute noch zukunftsweisende Basis gestellt. Anfang November 2011 zogen Experten aus allen Teilen der Welt Bilanz und diskutierten künftige Herausforderungen. Eine Nachlese der internationalen Konferenz „20 Years Vienna Agreement“.
Wien (AS prm, 2011-11-16)
Der Juni 1991 markiert ein historisches Datum in den Beziehungen der Europäischen und der Internationalen Normung. Die Generalsekretäre des Europäischen Komitees für Normung CEN und der Internationalen Organisation für Normung ISO, Jacques Repussard (CEN) und Lawrence D. Eicher (ISO), unterzeichneten damals bei Austrian Standards Institute in Wien ein Abkommen, das die Zusammenarbeit beider Organisationen – bekannt als „Vienna Agreement“ – auf eine neue Basis stellte.
Zum 20jährigen Bestehen dieser Kooperation veranstaltete Austrian Standards Institute am 4. November 2011 die internationale Konferenz „20 Years Vienna Agreement“, an der rund 100 Personen aus Österreich und aus aller Welt teilnahmen.
Ziel des „Vienna Agreement“ war es, vor dem Hintergrund des geplanten Europäischen Binnenmarkts – gemeinsame Europäische Normen wurden und werden als eines der wichtigsten Instrumente erkannt und eingesetzt, um technische Handelshemmnisse zwischen den Mitgliedsstaaten zu beseitigen – ein Auseinanderdriften der Europäischen und der Internationalen Normung zu verhindern. Gleichzeitig wollte man unterschiedliche Festlegungen in den Europäischen bzw. Internationalen Standards vermeiden und Doppelarbeiten verhindern.
Erfolge und Erfahrungen, ganz besonders aber Zukunftsperspektiven in der gemeinsamen europäischen und internationalen Entwicklung, prägten daher die Konferenz zum 20-Jahr-Jubiläum. ISO-Präsident Dr. Boris Aleshin in seiner Begrüßung: „Die Europäische Union ist weltweit gesehen jene Region, die die wirtschaftliche Integration ihrer Mitglieder am weitesten vorangetrieben hat und dabei Internationale Standards nutzt, um möglichst große Vorteile für Wirtschaft, Verwaltung und Verbraucher zu erzielen. ISO ist stolz darauf, zu dieser Entwicklung beizutragen und so sicherzustellen, dass die Ressourcen für die Norm-Entwicklung bestmöglich genutzt werden.“
Ein großer Erfolg
Über zwei Jahrzehnte Erfahrungen und Lernprozesse auf Basis des „Vienna Agreement“ berichteten die Vizepräsidenten von CEN und ISO, Ernst-Peter Ziethen und Jacob Holmblad.
„Das Vienna Agreement“, so CEN-Vizepräsident Ziethen, „ist aus meiner Sicht ein großer Erfolg. Haben wir zuvor oft ein und dasselbe Thema in getrennten Technischen Komitees von ISO und CEN behandelt, so können wir das heute in einem einzigen Komitee mit denselben Experten erledigen. Das ist das wichtigste Ergebnis für alle, die an der Normung mitwirken.“
Heute sind bereits mehr als 4.170 der insgesamt 13.542 Europäischen Normen (EN) ident mit Internationalen Normen (ISO). ISO leitet derzeit die Entwicklung von 810, CEN von 160 künftigen Europäischen und zugleich Internationalen Normen. ISO-Vizepräsident Jacob Holmblad: „Wir arbeiten kontinuierlich daran, diese Kooperation weiter zu verbessern und noch wirkungsvoller zu gestalten.“
ISO ist, wie ihr Präsident Boris Aleshin erklärte, an einer weiteren Intensivierung der Zusammenarbeit mit regionalen Normungsorganisationen interessiert. Übereinkommen gibt es hier bereits mit länderübergreifenden Organisationen in Afrika, dem arabischen Raum, Südostasien, Lateinamerika, dem Pazifikraum und den GUS-Staaten.
Hier geht es – so Aleshin – primär darum, „weitestgehend ISO-Standards zu übernehmen und nationale Normen nur dann zu entwickeln, wenn keine geeigneten Internationalen Normen bereitstehen“. Im Vergleich dazu habe die Europäische Union die wirtschaftliche Integration ihrer Mitgliedsländer mit Hilfe von Normen am konsequentesten vorangetrieben.
Wie sich die Zusammenarbeit zwischen CEN und ISO aus der Sicht anderer Länder und Regionen darstellt, war Inhalt der Statements von Stephen P. Cornish, ANSI (USA), Dr. Grigory Elkin, ROSSTANDART (Russland), Baoquan Shi, SAC (China) und Takashi Kawabata, JISC (Japan). Ursprüngliche Ängste vor einer europäischen Dominanz in der Internationalen Normung hätten sich als unbegründet erwiesen, so die Vortragenden übereinstimmend.
Normen – Wirtschaft – Gesellschaft
Die Zusammenhänge zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Normen waren Thema eines Vortrags des Wirtschaftswissenschafters Univ.Prof. DDr. Werner Clement von der Wirtschaftsuniversität Wien. „Normen hängen sehr stark davon ab, wie sich Gesellschaft und Wirtschaft entwickeln. Umgekehrt beeinflussen Normen und Standards die gesellschaftliche Entwicklung“, betonte Prof. Clement in seinem Überblick über die ökonomische Entwicklung seit 1991 mit einem Ausblick auf mögliche Trends bis 2021.
Univ.Prof. DDr. Walter Barfuß, Präsident von Austrian Standards Institute, in seinem Resümee der Konferenz „20 Jahre Vienna Agreement“: „Es geht wie immer und überall um Interessen – national, europäisch und international. Hier den notwendigen Ausgleich, von dem alle profitieren, zu schaffen, ist das große Verdienst der Normung und der daran mitwirkenden Personen.“

